Chemie-Industrie im Fokus: Dynamischste Branche vor großem Wandel

Wie groß ist das Potenzial der chemischen Industrie in Russland und welche Herausforderungen kommen auf das Land wegen der sogenannten grünen Agenda zu? Diese und andere Fragen haben Experten in der dritten Podiumsdiskussion „Strategischer Durchbruch der chemischen Industrie in Russland“ auf dem Branchenforum am 22. November ausführlich beantwortet.

Chemie-Industrie im Fokus: Dynamischste Branche vor großem Wandel

Dynamischste Branche 
 Die Pandemie habe die Lokalisierung in der chemischen Industrie beschleunigt, betonte Moderator Anastas Gatunok, Abteilungsleiter Petrochemie der Russischen Energieagentur. „Denn wir tragen alle Schutzmasken und Gummihandschuhe – alles Produkte der Petrochemie.“ Auch Beatmungsgeräte für Corona-Patienten würden aus Plastik gefertigt.

Die chemische Branche ist die dynamischste von allen Industriebranchen, ist Gerit Schulze, Russland-Direktor der Wirtschaftsfördergesellschaft Germany Trade and Invest Moscow (GTAI), überzeugt. Trotz aller Lokalisierungsanstrengungen sei der Markt für deutsche Chemieprodukte in Russland sehr groß.   

„Der Gesamtwert von chemischen Produkten, die Deutschland nach Russland verkauft, ist höher als der von Autos“, sagte Schulze. So habe Deutschland im Jahr 2020 chemische Produkte im Wert von 4,4 Milliarden US-Dollar nach Russland geliefert, bei Autos seien es hingegen 800 Millionen US-Dollar gewesen. Russland sei aber auch für deutsche technische Lösungen interessant: Bei großen Industrieanlagen war Russland laut dem GTAI-Direktor in den vergangenen Jahren der wichtigste Absatzmarkt.  

Einsetzender Wandel 

„Viele haben noch nicht begriffen, dass wir am Beginn einer signifikanten Transformation stehen“

Christoph Röhrig, Russland-Chef von BASF

 Die Folgen dieser Transformation seien bislang unabsehbar. Russland, das immer noch stark von Öl und Gas abhängig sei, müsse sich fragen, wie es weiter gehen soll. Die Perspektiven des Landes auf dem chemischen Markt sind laut Röhrig gut. Der Anteil der reinen chemischen Produktion am Bruttoinlandsprodukt Russlands sei im Vergleich zu anderen Ländern gering. Doch mit Russlands großen Rohstoffvorkommen eröffnen sich auch große Möglichkeiten, so der BASF-Chef weiter.  

Auch Umweltschutz und Nachhaltigkeit kamen bei der Diskussion zur Sprache. Für die chemische Industrie sei die grüne Agenda nichts Neues, betonte Georg Wiessmeier, Direktor für Forschung und Entwiclung (R&D) und Innovation des russischen Petrochemie-Konzerns SIBUR. „Die Schadstoffe gering zu halten ist für uns seit Dekaden ein Thema.“ In der chemischen Industrie gehe es vor allem darum, große CO2-Ausstöße zu vermeiden. Aber um den Übergang zum sogenannten Green Deal hinzubekommen, brauche man Übergangstechnologien, wie beispielsweise Atomenergie oder Technologien für Carbon capture and storage (CCS, zu dt. CO2-Abscheidung und -Speicherung).  

Partnerschaft auf Augenhöhe 
 Dem stimmte auch Steffen Richter, Leiter des Gaskonzerns Linde in Russland und Kasachstan, zu: „CCS wird als Übergangstechnologie essenziell sein, obwohl das in der Politik nicht gern zugegeben wird.“ Richter lobte zudem den Austausch zwischen russischen und deutschen Fachkräften auf Augenhöhe.  

„Die Zeit, wo wir einen Technologietransfer von Deutschland nach Russland vorgenommen haben, ist längst vorbei“

Steffen Richter, Leiter des Gaskonzerns Linde in Russland und Kasachstan

Die gemeinsamen Projekte von Linde und Sibur in Tobolsk und Amur basieren auf einer gegenseitigen Kooperation, betonte er weiter.

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