Russlands Wirtschaft seit 2008 – Erwartungen und Realität

Vor fast 12 Jahren hat das russische Wirtschaftsministerium ein Konzept zur sozioökonomischen Entwicklung bis 2020 verabschiedet.

Russlands Wirtschaft seit 2008 – Erwartungen und Realität

Ein Rückblick des Wirtschaftsportals RBC zeigt nicht nur, dass die meisten Ziele nicht erreicht werden konnten –  sondern auch, dass sich die Wirtschaft seit November 2008 in einigen Bereichen sogar rückläufig entwickelt hat. 

Die größte Fehleinschätzung bezieht sich auf die Konjunktur: Mithilfe von Staatsinvestitionen in Humankapital und High-Tech-Industrien hätte das BIP jährlich um 6,5% wachsen sollen. Anders als geplant wird das real verfügbare BIP zwischen 2008 und 2020 aber nicht um 64% bis 66%, sondern lediglich um 5,8% steigen. Auch ein Wachstum der Realeinkommen von bis zu 72% hat sich nicht bewahrheitet. Zwar sind die Einkommen bis 2013 um 22% gestiegen, mit dem Beginn der Ukrainekrise 2014 aber fünf Jahre infolge gesunken.


Ursprünglich wollte die Regierung die Armutsrate von 13,4% im Jahr 2007 auf bis zu 6% halbieren. Doch bisher ist das Vorhaben erfolglos: Im dritten Quartal 2019 lag der Wert nur bei 12,7%. Im Rahmen der 2018 festgelegten Mai-Dekrete mit wirtschaftspolitischen Entwicklungszielen hat Präsident Wladimir Putin nun die Frist zur geplanten Halbierung der Armutsrate bis zum Ende seiner Legislaturperiode 2024 verlängert.

Auch die Staatsausgaben zur Humanentwicklung unterschreiten die selbstgesetzten Zielvorgaben deutlich. Im Haushalt von 2020 bis 2022 sind 2,9% des BIP für Gesundheit veranschlagt – der damalige Richtwert lag bei 5,5%. Und statt 6% sollen nur 3,7% für Bildung ausgegeben werden. 

Hauptgrund für die schwache Entwicklung sei die Weltwirtschaftskrise 2008, erklärte Natalia Orlova, Chefökonomin der Alfa-Bank. Zwischen 2000 und 2008 lag das Durchschnittswachstum in Russland bei 7%. Die Politik sei davon ausgegangen, dass das Wachstum nach der Krise wieder zur ursprünglichen Stärke zurückfinden würde.

Doch die Realität sah anders aus: 2014 stürzte der Ölpreis in den Keller und internationale Sanktionen brachten Russlands Wirtschaft immer stärker in Bedrängnis. Viele der ursprünglichen Ziele sind inzwischen in die "Nationalen Projekte" aufgenommen worden, durch die bestimmte Schlüsselbereiche bis 2024 gezielt gefördert werden sollen. Doch viele Kritiker zweifeln daran, dass die vielfältigen Probleme in den verbleibenden vier Jahren gelöst werden können. / RBC (RU)

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