Sanktionen und internationaler Zahlungsverkehr: Risiken und Chancen für Russland

Seit 2014 wird immer wieder die Idee ins Spiel gebracht, Russland vom Zahlungssystem SWIFT auszuschließen. Moskau scheint für diesen Ernstfall bereits vorgesorgt und sich eine Krisenstrategie zurechtgelegt zu haben.

Sanktionen und internationaler Zahlungsverkehr: Risiken und Chancen für Russland

In einem Handelsblatt-”Artikel” vom 22. März 2021 wird sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Darin heißt es, dass sich angesichts des ständig wachsenden Sanktionsdruck des Westens die Regierungen in Moskau und Peking offenbar die Abkopplung vom westlich dominierten globalen Zahlungsverkehr vorbereiten. Das kündigte der russische Außenminister Sergej Lawrow am 22. März bei seinem Besuch in China an. Russland und China könnten das von den Sanktionen ausgehende Risiko dadurch verringern, indem die eigene finanzielle Unabhängigkeit gestärkt und schrittweise aus dem vom Westen kontrollierten Zahlungssystemen ausgestiegen wird.

Beide Länder wollen ihre „technologische Unabhängigkeit stärken und den Handel in nationale Währungen und in internationalen Währungen, welche den Dollar ersetzen können, abwickeln”, sagte Lawrow in einem Interview für chinesische Medien.

Laut Dimitri Medwedew, Vize-Vorsitzender des russischen Sicherheitsrats und ehemaliger Präsident und Premier, gibt es bereits einen ausgearbeiteten Aktionsplan für den Fall eines Abschaltens von SWIFT für russische Banken.

In dem Artikel sprechen Analysten davon, dass Russland die Abkehr von Dollar und SWIFT nicht im Alleingang schaffen könne. Der Kreml sei dabei auf China angewiesen.

Wie das “Handelsblatt” am 10. Mai 2021 schreibt, will sich Russland sich mit seinem eigenen Kreditkartensystem „Mir“ (dt.: “Welt” bzw. “Frieden”) von westlich dominierten Zahlungsabwicklern wie Visa und Mastercard unabhängiger machen. Seit 2017 erhalten Rentner, Sozialhilfeempfänger und Bedienstete im Sozialsystem ihre Zahlungen auf diese Kreditkarten. Dadurch stieg die Nutzung der „Mir“-Karten als Zahlungsmittel. Allerdings sind die „Mir“-Karten für Transaktionen über Paypal, Amazon oder Google Play nicht einsetzbar.

Die russische Regierung will die Nutzung der „Mir“-Kreditkarte fördern und lockt mit einer Cashback-Idee für Inlandstouristen. Wer seinen Urlaub in Russland verbringt, erhält 20 Prozent vom Reisepreis zurück. Die Rücküberweisung funktioniert aber nur mit dem „Mir“-Zahlungssystem.

Die Fördermaßnahme scheint bereits zu wirken: Während der Corona-Ferien Anfang Mai seien nur noch fünf Prozent der Reisenden ins Ausland geflogen.

Die Nachfrage nach innerrussischen Flugreisen hat nach Angaben des Reiseportal Aviasales.ru um 85 Prozent angezogen. 54 Prozent der Inlandsreisenden gaben an, auf diese Weise die Urlaubskosten reduzieren zu können. 41 Prozent halten Reisen in Russland für sicherer. Für den Sommerurlaub habe sich die Nachfrage nach Reisen in Russland fast vervierfacht, meldet der russische Tourismusverband. Erstattet werden bis zu 220 Euro pro Reise.

Dong Dengxin. Direktor des Finanz- und Sicherheitsinstituts an der Universität Wuhan, rechnet in seinem Beitrag für die Zeitung “Global Times” damit, dass sich zahlreiche Länder dem neuen System anschließen, falls es China und Russland gelingt, gemeinsam die Dollar-Hegemonie herauszufordern. Dong verweist auf die wachsende Handelsmacht Chinas und schlägt den Yuan als Alternative zum US-Dollar vor. Er empfiehlt, dieses System sukzessive auszudehnen – beispielweise auf Zentralasien im Rahmen der Neuen Seidenstraße.

Ob es zu einer Abkoppelung kommt oder nicht, Russland nimmt die Risiken ernst und hat begonnen, mit China als strategischem Partner Gegenmaßnahmen zu erarbeiten. Damit wendet sich Russland wirtschaftlich zunehmend dem Osten zu.

Feedback
Kontakt
Business-Center Fili Grad, Beregovoy Proezd 5A K1, Etage 17, 121087 Moskau. Fili
Google Map
Telefon:

+7 495 234 49 50

Fax:

+7 495 234 49 51

Danke für Ihre Anfrage!