Skolkowo-Chef für weniger Staat und mehr Innovationsmut in Wirtschaft

Arkadi Dworkowitsch, ehemaliger russischer Vizepremier und jetziger Vorsitzende des Innovationszentrums Skolkowo, hat sich gegen eine staatliche Überregulierung der Wirtschaft ausgesprochen. Viele Unternehmen in Russland würden lieber auf „toxisches“ Geld vom Staat verzichten, führte Dworkowitsch am vergangenen Dienstag bei einem CEO-Frühstück im Moskauer Büro der AHK aus.

Skolkowo-Chef für weniger Staat und mehr Innovationsmut in Wirtschaft

3000 Startups 
 Derzeit sind in Russland etwa 3000 Startups unter der Schirmherrschaft der Skolkowo-Stiftung aktiv. Dank ihres Status als Skolkowo-Resident erhalten sie Steuer- und Zollbegünstigungen sowie Finanzhilfen. Für eine Skolkowo-Ansiedlung müsse ein Unternehmen innovativ sein – und zwar nach globalen und nicht nur nach russischen Standards, betonte Dworkowitsch. Der gesamte Umsatz dieser 3000 Startups belief sich ihm zufolge im Pandemiejahr 2020 auf 160 Milliarden Rubel (umgerechnet etwa 1,9 Milliarden Euro) – ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Staatskontrolle und Innovationen 
In der russischen Wirtschaft dominiere der staatliche Sektor, beklagte Dworkowitsch. Staatliche Unternehmen seien aufgrund rigider Regulierungen in ihrer Handlungsfreiheit eingeschränkt. Das sei der erste Grund, warum die Entwicklung von Innovationen in Russland langsamer vorankomme. Außerdem seien viele Firmen in Russland dem Staat gegenüber misstrauisch. „Die staatlichen Gelder bleiben weiterhin toxisch. Viele Unternehmen wollen sie gar nicht annehmen, weil sie dann mit ausufernder Kontrolle und dem Risiko konfrontiert werden, alles zu verlieren.“ Der zweite Grund: Fehlende Instrumente zur Finanzierung von Innovationen. Der russische Finanzmarkt sei dafür nicht fortgeschritten genug, der Risikokapitalmarkt sei ebenfalls zu klein.

Dennoch sei die Unterstützung des Staates nach wie vor wichtig. „Ich glaube, dass in den kommenden Jahren etwa zehn bis 15 Prozent der innovativen Projekte mit staatlicher Förderung umgesetzt werden.“

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt 
 Russland hinke beim Thema Innovationen anderen Ländern hinterher, räumte der Skolkowo-Chef ein. Dafür sei Russland wiederum in einigen Bereichen anderen Ländern weit voraus, wie beispielsweise Atomenergie, Sprach- und Gesichtserkennung, IT-Sicherheit. „Es gibt tatsächlich Nischen, in denen wir führend sind, aber sie machen etwa 25 Prozent des Innovationsspektrums aus, welches für die internationale Wettbewerbsfähigkeit notwendig ist.“

In Russland sei das Unternehmertun noch unterentwickelt, so Dworkowitsch weiter. Sowohl Institutionen als auch einfache Bürger würden Risiken aus dem Weg gehen. „Wir gehen keine Risiken ein und bleiben deshalb zurück.“ Die Nachfrage großer Industrieunternehmen nach innovativen Produkten und Lösungen bleibe minimal, da diese eher in bewährte Technologien investieren.

Einen Ausweg aus dem Innovationsstau sieht Dworkowitsch in einem Generationswechsel bei den Führungskräften. „Ich befürchte, dass es keine magischen Rezepte gibt. Nur eine neue Generation von Fachkräften kann die Lösung sein.“

Schach nicht mit Realität verwechseln 
Dworkowitsch steht auch an der Spitze des Weltschachbundes (FIDE). Wer Schach spiele, könne prinzipiell jede Tätigkeit ausüben, so der Skolkowo-Chef. Das Spiel fördere strategisches Denken. Nur müsse man zwischen Schach und der Politik klar unterscheiden. „Man darf die Welt nicht als Ansammlung von Schachfiguren wahrnehmen – die Konsequenzen dieses Denkmusters wären gravierend.“. Er selbst spiele jeden Tag Schach, allerdings online.

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