Unterstützerkreis für Initiative Lissabon-Wladiwostok wird größer

Die Russische Industrie- und Handelskammer (TPP) ist der Initiative Lissabon-Wladiwostok beigetreten, die sich für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zwischen Europa und Asien einsetzt.

Unterstützerkreis für Initiative Lissabon-Wladiwostok wird größer

Auch Unternehmen aus Belgien, Österreich und Frankreich haben das gemeinsame Memorandum unterzeichnet. Rund 100 Unternehmen und Verbände zählen nun zum Unterstützerkreis, darunter auch die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK).

„Mit der heutigen Unterzeichnung des Memorandums bekräftigen wir unser Bekenntnis zum Konzept eines gemeinsamen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok, unterstützen die Anstrengungen der Europäischen Kommission und der Eurasischen Wirtschaftskommission zur Vereinheitlichung der Normen und Richtlinien, welche die internationale Geschäftstätigkeit, Wirtschaft und Handel regeln, und setzen uns für eine Harmonisierung der europäischen und eurasischen Integrationsprozesse ein“, sagte der Präsident der Russischen Handelskammer, Sergej Katyrin vor 200 internationalen Gästem im großen Konferenzsaal der TPP. In Ausschüssen und Arbeitsgruppen der Russischen Handelskammer werde regelmäßig über konkrete Herausforderungen der eurasischen und der europäischen Integration diskutiert, so Katyrin.

Neben der Russischen Handelskammer sind sechs weitere Unternehmen und Organisationen der Initiative beigetreten, darunter der französische Mitfahrdienst BlaBlaCar, der österreichische Kaffeehersteller Julius Meinl und die Sonderwirtschaftszone LOTOS aus dem Gebiet Astrachan.


Mit der heutigen Unterzeichnung des Memorandums bekräftigen wir unser Bekenntnis zum Konzept eines gemeinsamen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok, unterstützen die Anstrengungen der Europäischen Kommission und der Eurasischen Wirtschaftskommission zur Vereinheitlichung der Normen und Richtlinien, welche die internationale Geschäftstätigkeit, Wirtschaft und Handel regeln, und setzen uns für eine Harmonisierung der europäischen und eurasischen Integrationsprozesse ein

Sergej Katyrin, Präsident der Russischen Handelskammer

Die 2015 ins Leben gerufene Initiative Lissabon-Wladiwostok macht sich für eine Harmonisierung der Zoll- und Steuergesetze und der technischen Vorschriften zwischen der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) und der Europäischen Union stark. Zudem setzt sich für eine Entwicklung von Logistik und Infrastruktur sowie eine Visaliberalisierung zwischen den Ländern der EU und der EAWU ein.

Ulf Schneider, Co-Vorsitzender der Initiative und Präsident der SCHNEIDER GROUP, moderierte die im Vorfeld der Unterzeichnungszeremonie stattfindende Konferenz in den Räumlichkeiten der Russischen Handelskammer in Moskau. Laut Schneider komme dem Dialog zwischen der EU und der EAWU beim Aufbau eines gemeinsamen Wirtschaftsraums besondere Bedeutung zu.

Ich bin der Meinung, dass Europa seinen Ruf als mächtiger und selbstständiger Mittelpunkt der Weltpolitik langfristig festigen wird, wenn es seine eigenen Möglichkeiten mit den russischen menschlichen, territorialen und Naturressourcen sowie mit den Wirtschafts-, Kultur- und Verteidigungspotenzialen Russlands vereinigen wird

Wladimir Putin

„Ich bin der Meinung, dass Europa seinen Ruf als mächtiger und selbstständiger Mittelpunkt der Weltpolitik langfristig festigen wird, wenn es seine eigenen Möglichkeiten mit den russischen menschlichen, territorialen und Naturressourcen sowie mit den Wirtschafts-, Kultur- und Verteidigungspotenzialen Russlands vereinigen wird“, zitierte Dr. Dietrich Möller, einst langjähriger Präsident von Siemens in Russland und heute EAWU-Beauftragter der AHK Russland, aus der Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin im Deutschen Bundestag im Jahr 2001. Der russische Präsident sei schon damals an der Schaffung eines gemeinsamen Wirtschaftsraums interessiert gewesen, so Möller. Und die Initiative „Lissabon-Wladiwostok“ gehöre zum „Komplex globaler Strategien Russlands und Europas“.

Laut Möller unterstützen fast 80 Prozent der AHK-Mitgliedsunternehmen die Idee von einem gemeinsamen Wirtschaftsraum vom Atlantik bis zum Pazifik, während fast die Hälfte die Rolle der EAWU als wichtig für ihr Geschäft ansieht.

Möller hob auch die Bedeutung einheitlicher technischer Standards hervor. Als die Siemens AG und auch weitere Unternehmen nach Russland gekommen seien, hätten sie nicht nur ihre Maschinen und Anlagen, sondern auch eigene Standards mitgebracht. Als Beispiel führte er die Steckdosen an, die heute im Raum zwischen Lissabon und Wladiwostok überall vom gleichen Typ seien. Es sei deshalb auch kein Zufall, dass auf dem Logo der Initiative eine Steckdose abgebildet sei.

Georgij Petrow, Vorsitzender des Rats für Zollpolitik der Russischen Handelskammer, äußerte, dass man zwischen einem einheitlichen und einem gemeinsamen Wirtschaftsraum unterscheiden müsse. Es gehe vorerst nicht darum, einen einheitlichen Wirtschaftsraum zu schaffen, sondern darum, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum zu schaffen. „In einem gemeinsamen Wirtschaftsraum gibt es nur eine Freiheit, die des Warenverkehrs“, erklärte Petrow. „Wenn nicht wir, dann werden unsere Nachfolger über die Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsraums sprechen.“ Dort werde es dann die sogenannten „vier Freiheiten“ („four freedoms“) geben: die Freiheit des Warenverkehrs, der Dienstleistungen, der Arbeitskräfte und des Kapitalverkehrs. Über die Nachfolger – junge Spezialisten – sprach Ernesto Ferlenghi, Chef des Verbandes italienischer Industrieller in Russland („Confindustria Russia“). Er würdigte den Beitrag des Studentenaustauschprogramms Erasmus zur Ausbildung von Fachkräften, die in Zukunft Entscheidungen über die europäisch-eurasische Zusammenarbeit treffen würden.

Auch Artak Kamaljan, Minister für Industrie und Agrarindustrie der Eurasischen Wirtschaftskommission, sowie Andrej Spartak, Vorsitzender des Handelskammerausschusses für Wirtschaftsintegration und Außenwirtschaft und korrespondierendes Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, kamen auf der Konferenz zu Wort. AHK-Vorstandschef Matthias Schepp war an der Unterzeichnungszeremonie ebenfalls beteiligt.


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