Hotel Metropol: „Mehr als ein Hotel - ein Anziehungspunkt, eine Lebensart“

Auf 115 Jahre bewegter Geschichte blickt das Metropol inzwischen zurück. Ein Palast als Hotel, erbaut auf Betreiben des russischen Großindustriellen und Mäzens Sawwa Mamontow. Eine Luxusabsteige für Parteibonzen, die das Schicksal des jungen Sowjetstaates in den Wirren des Bürgerkrieges lenkten. Für manch anderen aber: Ort der Gefangenschaft und letzte Bleibe. Über die abwechslungsreiche Vergangenheit, die literarische Verortung und die Zukunft des Hauses, die die Nobelherberge nach der Renovierung erwartet, spricht Marina Skokowa, Generaldirektorin des Hotels (OOO UK Ochotnyj Rjad).

Hotel Metropol: „Mehr als ein Hotel - ein Anziehungspunkt, eine Lebensart“

Wenn das Theater bereits an der Garderobe beginnt, wo beginnt für den Gast das Hotel? 

Die Beziehung zum Gast beginnt lange vor dessen Ankunft im Hotel. Der Wiedererkennungswert des Hotelnamens ist ebenso wichtig wie eine informative und einfach zu handhabende Internetseite sowie ein zuvorkommender Service schon bei der ersten Anfrage des Gastes per Telefon oder E-Mail. Bei der Hotelauswahl spielen selbstverständlich auch die Erfahrungen der Reisenden eine Rolle, aber auch die Erfahrungswerte anderer Gäste – Informationen, die sich heutzutage ohne großen Aufwand finden lassen. Deshalb steht bei uns sowohl die Marketingstrategie im Mittelpunkt als auch die Qualität der Quellen, aus denen wir die Buchungen erhalten. Schreiten wir den Weg des Gastes gedanklich weiter ab, dann zählt natürlich der erste Eindruck bei der Ankunft im Hotel – der Eindruck, für den es bekanntlich keine zweite Chance mehr gibt. Hierbei ist die Mitwirkung vieler Mitarbeiter maßgeblich, die sich bereits in der Außendarstellung des Hauses am Eingang und in der Behaglichkeit der Lobby darbietet, aber auch in der Zuvorkommenheit und Professionalität des Personals sowie in vielem anderen mehr. 

Womit begann die Geschichte Ihres Hauses? 

Es würde Stunden in Anspruch nehmen, darauf im Detail einzugehen, denn das Metropol blickt auf eine mehr als 115-jährige Geschichte zurück. Es sind unzählige Ereignisse und eine schier endlose Liste berühmter Persönlichkeiten. Eröffnet wurde das Hotel im Jahr 1905. Zu dieser Zeit gab es in Moskau etwa 200 Hotels. Das Gros dieser Gasthäuser stammte aber noch aus alten Zeiten: kein Strom, kein fließendes Wasser, keine Aufzüge. Das Metropol hingegen wurde von Anfang an als ein Palast konzipiert, an dessen Gestaltung die besten Architekten und Künstler der damaligen Zeit mitwirkten: Lew Kekuschew, William Walcot, Michail Wrubel. Der Gebäudekomplex wurde aus erlesenen Materialien wie beispielsweise Marmor und Onyx erbaut, das Interieur wurde durch Basreliefs, Glas- und Wandmalerei ausgeschmückt. Das Hotel wurde mit allen Annehmlichkeiten auf dem neuesten Stand der Technik ausgestattet: elektrische Beleuchtung, Lüftung, Badewannen, Telefone. Gespeist wurde in einem nach dem neuesten Geschmack eingerichteten Restaurant: mit Separees, unter einem Glasdach und mit einer Fontäne in der Mitte des Speisesaals, auch Billardzimmer gehörten zur Ausstattung. In der Küche wurden die besten Köche der Hauptstadt beschäftigt. Das Metropol war von der ersten Stunde an sehr beliebt. Hier wurde nicht nur logiert und gespeist. Großindustrielle und Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur beispielsweise veranstalteten festliche Galas in den Räumlichkeiten des Hotels. Es hat schließlich seinen Grund, warum die Reiseführer zu Anfang des 20. Jahrhunderts das Metropol als die erste Adresse unter den besten Hotels der russischen Hauptstadt hervorhoben. 

Wie entwickelte sich Ihr Haus weiter bis zum heutigen Tag? 

Die Revolution, der Große Vaterländische Krieg, dann die ersten ausländischen Touristen, Regierungsdelegationen, viele Berühmtheiten… Die Jahre vergingen, die Epochen wechselten sich ab. Auch die Gäste unseres Hauses änderten sich. Eines aber blieb: Das Metropol hielt immer Schritt mit der Zeit, war stets eine vornehme und exklusive Adresse. Diese Tradition wollen wir fortführen und deshalb renovieren wir derzeit die Zimmer in unserem Hotel. Das machen wir allerdings sehr behutsam, um einerseits den unnachahmlichen Charme des Hauses zu bewahren und um andererseits unseren Gästen den höchsten Komfort durch neueste Technologien bieten zu können. 

Sie haben auch die Krisenmomente angesprochen. Wie gelingt es Ihnen, in Krisenzeiten Auswege zu finden – und welche Krisen gab es? 

Dafür müssen wir nicht unbedingt in die Vergangenheit schauen. Auch gegenwärtig, nunmehr das zweite Jahr in Folge, muss die Hotellerie in der ganzen Welt unter Bedingungen wirtschaften, die kaum als normal zu bezeichnen sind. Das Jahr 2020 erwies sich als besonders schwierig. Pläne und Prioritäten der Branche wurden gehörig durcheinandergeworfen. Im vergangenen Jahr galt es zunächst einmal zu überleben, in diesem Jahr erfolgt die Anpassung an die neuen Realitäten. Die Herausforderungen in unserem Segment sind durchaus zahlreich: Reiseeinschränkungen, neue behördliche Verbote, lokal auftretende Personalprobleme angesichts der Abwanderung der Arbeitsmigranten. Zugleich beobachten wir eine Verschiebung des Trends zugunsten des Binnentourismus, stellen aber auch Interesse vonseiten neuer Märkte fest. In jeder Krise kommt es darauf an, schnell auf die äußeren Veränderungen reagieren zu können. Ist der nächste Schritt im Voraus nicht abzuwägen, sollte eben mehr als nur ein Alternativplan in der Schublade liegen.

Welcher Stellenwert kommt dem Metropol unter den Hotels der russischen Hauptstadt heute zu?

Das Metropol ist ein Wahrzeichen. Hotels mit Historie sind in Moskau rar. Wir sind einerseits ein geschichtsträchtiges Haus und andererseits ein modern ausgestattetes Nobelhotel, das seinen anspruchsvollen Gästen einen Service auf höchstem Niveau bietet.

Was unterscheidet sie von anderen Hotels in Moskau? 

Das Metropol ist eben mehr als ein Hotel: Es ist ein Anziehungspunkt, eine Lebensart. Die Gäste unseres Hauses beginnen ihren Tag häufig mit einer Tasse Kaffee bei Harfenklängen im edlen Speisesaal „Metropol“. Nach solch einem Auftakt ließe sich der Tag mit einem Geschäftstreffen in einem unserer Besprechungsräume oder einem Einkaufserlebnis in den Boutiquen der Hauptstadt fortsetzen. Alternativ steht unseren Gästen ein Fitnessraum zur Verfügung. Am Abend lädt das Restaurant SAVVA, das kürzlich mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde, zum exquisiten Dinner. Ausklingen ließe sich der Abend in unserer Lobby-Bar bei Jazzmusik oder mit einer Teezeremonie. Ebenfalls sehr beliebt ist unser Sonntagsbrunch. Dieser erfreut sich nicht nur bei den Besuchern der Hauptstadt, sondern auch bei den Moskauern großer Beliebtheit. Ein weiteres Highlight sind unsere Führungen durch den historischen Hotelkomplex, angeboten vom hauseigenen Historiker. Und seit Kurzem bieten wir die Gerichte unserer berühmten Chefköche im Lieferservice an. Es freut uns zu sehen, dass dieser Service immer mehr angenommen wird. Wer seine Partner oder Freunde mit einem Metropol-Erlebnis beschenken möchte, aber gerade nicht im Hotel ist, kann Gutscheine in unserem Onlineshop erwerben.

Das Metropol wurde vielfach literarisch behandelt. Welche Lektüre für einen Einblick in die Geschichte Ihres legendären Hotels würden Sie empfehlen? 

Das Metropol ist seit seinen Anfängen auch ein literarischer Ort. In den Räumlichkeiten des Hotels befanden sich namhafte Verlage und Redaktionen renommierter Literaturzeitschriften. Einige der großen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts mieteten sich häufig hier ein. Das Hotel selbst wurde zum Dreh-und-Angel-Punkt in den Erzählsträngen vieler literarischer Werke.

„Das Metropol. Eine Moskauer Legende“ des Architekturkritikers, Kunstkenners und Journalisten Nikolai Malinin erzählt davon, wie der Bau des ersten Grandhotels in Russland vonstattenging, erschließt das Wesen von Sawwa Mamontow, dem Genius Loci, zeigt Archivskizzen und -aufnahmen: von den ersten Entwürfen des Hauses bis zu den aufwendigen Details des Interieurs und Exterieurs. 

Jekaterina Jegorowa, „Das Metropol: Die Hauptstadt Moskaus“. Ein Hotel als Geschichtsbuch. Nachdem sie Unmengen an Archivdokumenten und Presseartikeln studiert und eine Vielzahl an Zeitzeugen befragt hat, rekonstruiert Jekaterina Jegorowa das schwierige Schicksal dieses legendären Bauwerks. Der Geschichtsband enthält Momentaufnahmen aus der vorrevolutionären Ära des Nobelhotels und aus der Zeit der erbitterten Kämpfe nach 1917, beleuchtet die Zeit des Hotels als Haus der Räte, als Hotel „Intourist“ und schließlich als erstes Fünf-Sterne-Hotel im postsowjetischen Russland.

Weitere Empfehlungen sind ein Roman von der Spiegel-Bestsellerliste: „Metropol“ von Eugen Ruge, oder „Ein Gentleman in Moskau“ des US-amerikanischen Schriftstellers Amor Towles.

Bei weitem nicht jedes Hotel bietet Hausführungen an. Wie kam es zu dieser Idee und was erfahren Ihre Gäste bei diesen Besichtigungen, was sie in den Büchern nicht finden? 

Unter den historischen Hotels der russischen Hauptstadt waren wir das erste, das Rundgänge durch seine Räumlichkeiten anbot. Den Anfang machten wir vor über 20 Jahren. Die Nachfrage nach den Führungen ist sehr groß, was auch daran liegt, dass das Metropol in der UdSSR lange Zeit ausschließlich Ausländern vorbehalten war: gewöhnliche Sowjetbürger hatten praktisch keinen Zutritt. Erst seit einigen Jahrzehnten ist die Besichtigung der Innenräume und die historische Erforschung des Hotels möglich. Einige unserer Mitarbeiter hatten jahrelang recherchiert, Material gesammelt, mit Gästen und Mitarbeitern vergangener Epochen gesprochen. Für uns sind die Hausführungen mehr als bloß Marketing. Wir legen großen Wert darauf, die Führungen wissenschaftlich fundiert zu gestalten, und sehen uns auch der Aufgabe verpflichtet, über das Leben und Wirken unseres Gründers Sawwa Mamontow aufzuklären. Inzwischen bieten wir nicht nur allgemeine Besichtigungen, sondern auch thematische Führungen zur Entstehungsgeschichte, zur Gestaltung der Fassade oder auch zur spezifischen Arbeitsweise eines Hotels in der Vorrevolutionszeit an. Der Besuch in unserem Haus – einem architektonischen Denkmal – ist ein Muss für jeden, der sich für die russische Kultur und Geschichte interessiert. Es ist unbedingt zu empfehlen, die Details des Interieurs mit eigenen Augen zu sehen, den Ausführungen unserer Mitarbeiter zu folgen und in die besondere Atmosphäre eines altehrwürdigen Hotels einzutauchen.

Woher kommen die meisten Ihrer Gäste? 

Tja, unser Dasein teilt sich inzwischen nun mal in eine Zeit vor und eine Zeit nach dem Ausbruch der Pandemie. Folglich überwiegt in allen Moskauer Hotels der Anteil russischer Gäste. Wir sind da keine Ausnahme: Die Hälfte aller Übernachtungen in diesem Jahr entfiel auf Gästen aus dem Inland. Zudem stellten wir in diesem Jahr einen deutlichen Anstieg bei Reisenden aus den Ländern des Nahen Ostens fest. In Zahlen ausgedrückt waren es circa 25 bis 30 Prozent. Auch waren Gäste aus den Vereinigten Staaten bei uns. Bei den europäischen Ländern sehen wir eine ungefähr gleichmäßige Aufteilung zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien mit einem etwas höheren Anteil der Gäste aus der Schweiz. 

Worin besteht Ihrer Ansicht nach der Unterschied zwischen russischen Gästen und Gästen aus Deutschland? 

Die Deutschen planen ihre Reise im Voraus in allen Einzelheiten durch. Diesen Gästen sind ein prall gefülltes und durchorganisiertes Programm sowie authentische Eindrücke wichtig. Russische Reisende lassen sich hingegen häufiger vom Gefühl leiten und planen eher ungern. Es kann vorkommen, dass wir eine E-Mail von einem Deutschen bekommen, der in einem Jahr nach Moskau reisen will und uns jetzt schon darum bittet, Tickets für das Bolschoi-Theater zu buchen und einen Tisch in einem Restaurant zu reservieren. Einem Russen macht es hingegen nichts aus, sich mitten in der Stoßzeit an den Concierge mit der Bitte wenden, ihm ein Taxi zu bestellen, weil er in zehn Minuten in einem Restaurant erwartet werde. Die Deutschen reisen häufig in Kleingruppen, mit Freunden oder mehreren Familiengenerationen. Familien mit Kindern sind seltener. Größeres Interesse an unserem Land zeigen unter den Deutschen eher die Älteren. Russische Senioren haben indes weniger Reisemöglichkeiten. Im Großen und Ganzen aber haben die Russen und die Deutschen viel gemeinsam: Den Humor, die Liebe zum Fußball, zum Gelage und zum ausgelassenen Feiern. Die Tische in der Bar zusammenschieben, Bier trinken und laut lachen können die einen wie die anderen gleichermaßen gut.

Welche Erfolge machen Sie besonders stolz? 

Erfolge… Na ja, in der aktuellen Situation würde ich sagen: Ich bin froh, dass die gesteckten Ziele trotz des schwierigen Umfelds erreicht werden, dass wir angemessene Ergebnisse erzielen und dass unsere Gäste immer häufiger gern zu uns zurückkommen.

Welche Ziele setzen Sie sich für die nächsten Jahre? 

Das neue Jahr wird ein bedeutendes sein. Wir sind dabei, die Renovierung abzuschließen, und freuen uns darauf, unseren Gästen nicht nur neue, komfortable und zeitgemäß ausgestattete Zimmer anzubieten, an deren Gestaltung weltberühmte Designer aus dem Hause Denniston gearbeitet haben, sondern auch eine komplett neue Lobby-Bar, die meiner Überzeugung nach zu einem beliebten Ort sowohl unserer Gäste als auch anderer Reisender und der Moskauer werden wird.

Wer ist ein unternehmerisches Vorbild für Sie? Und warum? 

Mir ist es wichtig, in einem Unternehmen tätig zu sein, in dem ich mich weiterentwickeln kann. Ich habe das Glück, mit echten Profis zusammenzuarbeiten. Es gibt einiges zu lernen – sowohl vom Inhaber als auch von anderen Kollegen in der Unternehmensgruppe und von den Kollegen im Hotel. Was die Stars der Weltwirtschaft angeht, so finde ich die Einstellung von Richard Branson in Bezug auf das Leben und das Unternehmertum sehr ansprechend. Sein Buch „Geht nicht, gibt's nicht!“ ist ein Manifest des Tuns und Handelns, eine Anleitung zur Prioritätensetzung und zur Wertschätzung dessen, was wirklich wertvoll ist. Es lehrt einen, keine Angst vor dem ersten Schritt zu haben, an sich zu glauben und voranzugehen.

Die perfekte Führungskraft ist… 

Jemand, der sich für sein Geschäft aufrichtig begeistert. Jemand, der aufbaut, der schafft und sein Team wertschätzt. Jemand, der zielgerichtet handelt und die gesteckten Ziele erreicht. Jemand, der eine Haltung hat und dem die Fähigkeit zur sachlichen Einschätzung der Außenwelt nicht abhandenkommt. 

Fragen von Anna Braschnikowa

Dieses Interview stammt aus unserer Rubrik „100 Fragen und Antworten zum Russlandgeschäft“. In Interviewform schildern die in Russland tätigen Unternehmen ihre je persönliche Sicht auf ihre Branche und den russischen Markt.

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