Deutsche Schule Moskau

Mathe, Deutsch, Kulturschock

Wo Kinder von Expats einen deutschen Schulabschluss machen

Sie sind jung, sie leben in Russland und sie haben das deutsche Abitur in der Tasche. Bestanden haben sie die Reifeprüfung an einer Schule, die Arbeitgeber als Standortfaktor betrachten, als Argument für einen Aufenthalt in Moskau. Den Abiturienten selbst fällt ein anderes Wort ein, wenn sie kurz vor dem Abschlussball erklären, was die Deutsche Schule Moskau, kurz DSM, für sie bedeutet: „Familie“, sagen viele von ihnen. Noch Jahre später treffen sich Abiturklassen in Berlin oder Moskau. Es entstehen Freundschaften fürs Leben, mehr noch als in den meisten Schulen in Deutschland. Denn der Aufenthalt in einem fremden Land schweißt zusammen und das Nomaden-Leben der Expat-Eltern lässt Jugendliche nach Halt suchen.

Für die Wirtschaft ist die Schule wichtig, weil sich viele Manager und Botschaftsmitarbeiter, Journalisten und Professoren einen längeren beruflichen Auslands­einsatz nicht ohne Familie vorstellen könnten. 

Die DSM ist eine von hundertvierzig deutschen Auslandsschulen und die einzige in Russland, an der Jugendliche die deutsche Hochschulreife erlangen können. Unterrichtet wird auf Deutsch. Russisch wird nach Englisch als zweite Fremdsprache angeboten, spätestens in der zehnten Klasse ist es als Drittsprache verpflichtend. Die Jüngeren können ab der Grundschule einen Russischkurs belegen.

Der deutsche Staat unterstützt die Schule, indem er sie finanziell fördert und verbeamtete Lehrer nach Moskau schickt. Die Schule muss sich regelmäßig der Bund-Länder-Inspektion unterziehen. Zweimal hat sie dabei schon ein Gütesiegel bekommen und darf sich „exzellente deutsche Auslandsschule“ nennen. Getragen wird sie von einem privaten Verein, der sich über Schul- und Kindergartengelder finanziert. Zwischenzeitlich war die Zahl der Schüler zurückgegangen, als vor einigen Jahren viele Expats Russland wegen der Wirtschaftskrise verließen. 

Mittlerweile lernen wieder mehr als vierhundert Kinder an der DSM. Über hundert Jungen und Mädchen besuchen den Kindergarten.

Wirtschaftlich steht die Schule gut da. Die Ausstattung sei deutlich besser als an vielen Schulen in Deutschland, schwärmt Schulleiter Uwe Beck. Schüler, Lehrer und Eltern freuen sich zum Beispiel über die frisch renovierten naturwissenschaftlichen Räume, den neuen Jugendclub im Keller oder Auftritte verschiedener Schulbands und Solisten. Denn der Schultag endet nicht mit dem Unterricht. Vielmehr wird die Schule nachmittags zum kulturellen Zentrum des Viertels. Wie an keinem anderen Ort in Moskau konzentriert sich hier das Leben der deutschen Expat-Gemeinde.

Auf dem Gelände im Moskauer Südwesten befanden sich schon zu Sowjetzeiten die Botschaftsschule der DDR und direkt daneben das dazugehörige Wohngebiet. In den Plattenbauten, die in Moskau inoffiziell das „deutsche Dorf“ genannt werden, leben seit Jahrzehnten mehrere hundert Familien aus Deutschland und anderen europäischen Ländern. Ihre Kinder können hier zu Fuß zum Unterricht gehen. Nachmittags treffen Eltern sich in der Cafeteria, während die Jugendlichen zwischen fünfzig Arbeitsgruppen wählen: von Schach und Eishockey über englisches Theater bis Eventmanagement. 

Hinzu kommen Veranstaltungen wie das gemeinsame Fußballschauen, Kinoabende oder die Lesenacht. Regelmäßig fahren Jugendliche der DSM nach Rschew, wo im Zweiten Weltkrieg eine der blutigsten Schlachten stattfand. Sie treffen dort auf Veteranen und deren Familien. Das Projekt ist so vorbildlich, dass Präsident Wladimir Putin sich darüber persönlich an der DSM informierte und Frank-Walter Steinmeier, der damalige Außenminister und spätere Bundespräsident, einen Brief schickte.

Soziales Engagement zeigt die Schule auch in anderen Bereichen. So machen Jugendliche Praktika in Krankenhäusern und die Schule organisiert einen Spendenlauf zugunsten von Moskauer Waisenkindern. Sie sieht sich dabei der Tradition des deutschen Arztes Friedrich Joseph Haass verpflichtet, dem sie auch ihren Beinamen verdankt. Er wurde Anfang des 19. Jahrhunderts als „heiliger Doktor von Moskau“ bekannt, weil er sich um die Armen und Ausgegrenzten kümmerte.

Gespendet wird auch beim Weihnachtsbasar und beim Sommerfest, das immer für viele auch ein Abschied ist. Nach den Ferien nehmen andere ihre Plätze im Klassenzimmer ein. Ständig neue Kinder zu integrieren und ihnen über den Kulturschock hinweg zu helfen, ist eine der größten Herausforderungen für die Pädagogen, erklärt Schulleiter Beck. Wie seine Abiturienten spricht auch er von einer „Familie“ an der DSM.

Die meisten Schüler haben mindestens einen deutschen Elternteil. Manche kommen aber auch aus russischen Familien. Das sorgt dafür, dass in den Klassenzimmern manchmal zwei Welten aufeinanderprallen und die Kinder auch jenseits von Tafelbild und Lehrplan eine Menge lernen. Dass oft verschiedene Wege ans Ziel führen zum Beispiel oder dass man eine Frage aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten kann. Davon profitierten die Schüler, sagt Beck, egal ob sie bis zum Abitur in Moskau bleiben oder vorher weiterziehen.

Fotos: Evgeny Kondakov 

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