Lamoda

Wie versprochen so geliefert

Hinter Russlands führendem Onlineshop für Mode stehen junge Manager aus Deutschland

Der neueste Schrei kommt per Mausklick nach Sibirien. Wenn das Paket nach tausenden Kilometern in Nowosibirsk eintrifft, erfüllt sich ein Versprechen, das vier junge Deutsche ihrer Wahlheimat gegeben haben: angesagte Mode für ganz Russland, so einfach und bequem wie nie zuvor. 2011 haben sie den Modehändler Lamoda gegründet. 

Wie eine Rakete schoss die Firma an die Spitze der russischen Internetwirtschaft. 

Riesige Auswahl, schnelle Zustellung, fünfzehn Minuten zur Anprobe – und wenn die Schuhe drücken, nimmt sie der Kurier, der ein mobiler Verkäufer ist, gleich wieder mit. Das hat die Kunden von Moskau bis Wladiwostok überzeugt und machte das Start-up zu einem der erfolgreichsten Online-Unternehmen des Landes. Beim Handel mit Mode liegt Lamoda auf dem zweiten Rang.

Die Gründer waren jung, ehrgeizig und hatten ein bewährtes Konzept im Koffer: Dominik Picker, Burkhard Binder, Florian Jansen und Niels Tonsen (v.l.n.r.) kamen mit Mitte zwanzig nach Moskau, um im Internet Mode zu verkaufen. Wie das geht, hatte zuvor schon Zalando in Deutschland gezeigt, das mit Schuhen und Kleidung Milliarden umsetzt.

Hinter dem Erfolg stand die Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet, die auch den Anstoß für das Projekt in Russland gab. Die Investition war nicht ohne Risiko. „Als wir anfingen, hatten viele Russen Skrupel, online zu bestellen. Wir waren uns aber sicher, dass der riesige russische Markt großes Potenzial hat“, sagt Managing Director Burkhard Binder.

Heute ist es in Russland selbstverständlich, im Internet einzukaufen. Die Menschen hier begeistern sich schnell für neue Technologien. So gehören die russischen Mobilfunknetze zu den schnellsten in Europa und bringen das Internet in immer entferntere Winkel des Riesenreichs.

Bei der Zahl der Internetnutzer hat das Land mittlerweile Deutschland überholt und ist Nummer Eins in Europa.

Auch der Onlinehandel ist in Russland Jahr für Jahr um mehr als dreißig Prozent gestiegen. Gerade die Menschen in den Regionen nutzen immer häufiger die beinahe grenzenlose Auswahl, die Lamoda und Co. online bieten.

Der Weg der Pakete zu ihren Käufern beginnt im Zentrallager nahe Moskau. Hier werden die Dimensionen sichtbar, die Lamoda nicht nur im Internet, sondern auch in der realen Welt angenommen hat.

Auf fünf Etagen haben acht Millionen Artikel Platz. Anderthalbtausend Menschen sorgen hier rund um die Uhr und in vier Schichten dafür, dass die Ware wie versprochen ankommt.

Nach Eingang der Bestellung setzt sich die ausgeklügelte Logistik innerhalb des Lagers in Bewegung. Das System weiß genau, wo die Artikel in der gewünschten Farbe und Größe liegen, und lotst die Mitarbeiter zum richtigen Regal.

Lastwagen oder Flugzeuge bringen die fertigen Pakete in eines der sechzig Zwischenlager von Lamoda in ganz Russland und in den Nachbarländern Kasachstan, Weißrussland und der Ukraine.

Für die letzten Kilometer zum Kunden hat Lamoda in vielen Städten einen eigenen Zustelldienst aus dem Boden gestampft, weil es sich nicht alleine auf die russische Post verlassen wollte. „Wir machen alles selbst, denn niemand wird unseren Kunden einen besseren Service bieten als wir“, erklärt CEO Florian Jansen.

Lamoda hat mehr als tausend eigene Kuriere und eine Flotte von hunderten Kleintransportern.

Mit großen Buchstaben verschaffen sie der Marke auch auf Russlands Straßen Aufmerksamkeit. Für den Aufbau dieser Infrastruktur sammelte das Start-up schon bald mehr als hundert Millionen Euro an Investitionen. Das markierte einen Rekord im russischen E-Commerce. Später kamen weitere Finanzierungsschübe dazu. Inzwischen betreibt der Internet-Star in Moskau und Sankt Petersburg auch mehr als hundert eigenen Abholpunkte, die fast schon wie kleine Modeläden funktionieren, Beratung und Anprobe inklusive.

Richtig zu Hause ist Lamoda jedoch im Internet. Die Seite Lamoda.ru ist ein virtuelles Schaufenster für drei Millionen verschiedene Artikel von anderthalbtausend Marken, darunter russische Modehäuser und bekannte internationale Namen.

Die Kleidung kann man hier zwar nicht anfassen, dafür setzten sie Fotografen und Models im Lamoda-eigenen Studio in Szene.

Die Firma beschäftigt auch zahlreiche Programmierer, die dafür sorgen, dass die Kunden nicht die Orientierung verlieren, wenn sie im Katalog schmökern, und dass sie unkompliziert bestellen können. 

„Wir sind eine Shopping Mall, aber wir sind zugleich eine IT-Company“, betont Binder.

Lamoda verdient auch damit, dass andere Modeunternehmen wie Benetton, Intimissimi, und Calzedonia auf seiner Online-Plattform präsent sein wollen. So profitieren sie von der Bekanntheit der Seite, die monatlich mehr als zwanzig Millionen Besucher hat.

Die Expertise von Lamoda hat auch den Weltfußballverband FIFA beeindruckt. Als er einen Betreiber für den offiziellen Onlineshop zur Fußball-WM in Russland suchte, fiel die Wahl auf die Firma der jungen deutschen Manager. 

Das hätten sie sich sicher nicht erträumt, als sie auszogen, um Russland anzuziehen.

Fotos: Hans-Jürgen Burkard, Lamoda

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