Messe Düsseldorf

Pioniere der Begegnung

Seit den Sechzigern präsentiert die Messegesellschaft vom Rhein deutsche Unternehmen in Russland

"Fremde sollen zu Freunden und Interessenten zu Geschäftspartnern werden."

Sie setzen Schaufelbagger in Szene, rücken Fräsmaschinen ins rechte Licht und verhelfen Verpackungsanlagen zu einem gelungenen Auftritt. Leere Hallen verwandeln sie in bunte Marktplätze auf Zeit. Erfüllt ist die Mission der Messeveranstalter, wenn am Ende des Tages aus Angebot und Nachfrage ein Kaufvertrag wird, wenn „Fremde zu Freunden und Interessenten zu Geschäftspartnern werden“, wie Werner Matthias Dornscheidt es formuliert. Er ist Chef von weltweit knapp tausend Angestellten der Messe Düsseldorf, die mit Gemeinschaftsständen, eigenen Messen und ihrer russischen Tochtergesellschaft seit mehr als einem halben Jahrhundert ein Schaufenster für deutsche Unternehmen in Russland bietet.

In Nowokusnezk treffen sich Aussteller aus aller Welt zur größten Bergbaumesse Russlands. Sie wird seit mehr als zwanzig Jahren von der Messe Düsseldorf mitorganisiert.

Deutschland ist als Messestandort weltweit führend. Es hat die größten Messe­gelände, die meisten Veranstaltungen und vier der zehn umsatzstärksten Messegesellschaften. Eine davon ist die Messe Düsseldorf mit ihren acht internationalen Töchtern. Russland behauptet sich seit vielen Jahren als der wichtigste ausländische Markt noch vor China, Singapur und den USA. 

Zu den größten Veranstaltungen jenseits der deutschen Grenzen zählen gleich vier in Russland: die Modemesse CPM – Collection Première Moscow, die Interplastica und die Upakovka für die Plastik- und die Verpackungswirtschaft sowie die Metalloobrabotka für die Metallindustrie.

Szenen der Messe in Nowokusnezk.

Aussteller bringen schwere Geräte in die Bergbauregion.

Die Messe Düsseldorf ist Mitorganisator der Veranstaltung.

"Wir haben in Russland ununterbrochen Menschen getroffen, Partnerschaften gepflegt und mehr als tausend Veranstaltungen geplant."

Das Russlandgeschäft begann für die Rheinländer bereits 1963, als Generalsekretär Nikita Chruschtschow im Kreml saß. „Seitdem haben wir in Russland ununterbrochen Menschen getroffen, Partnerschaften gepflegt und mehr als tausend Veranstaltungen geplant“, sagt Dornscheidt. Sein Unternehmen war der erste ausländische Messeveranstalter, der auf Einladung der Sowjets nach Moskau kam. 1965 koordinierte es den Auftritt westdeutscher Firmen auf der internationalen Chemie-Ausstellung im Moskauer Sokolniki-Park. Die Sowjetunion forcierte damals den Ausbau der Chemie-Industrie und brauchte dazu neue Technologien. 

Also reisten anderthalbtausend Gäste aus Westdeutschland nach Moskau, darunter Spitzenmanager der Industriegiganten Krupp und Siemens. Die Messe Düsseldorfer präsentierte danach regelmäßig auch andere Branchen in der Sowjetunion, trotz Kaltem Krieg.

1979 eröffneten die Rheinländer die erste Vertretung einer ausländischen Messe­gesellschaft in der Sowjetunion. Anfang des Jahrtausends wurde daraus eine russische Tochter. Heute beschäftigt sie vierzig Mitarbeiter, die bis zu zwanzig Messen im Jahr stemmen, eigene Veranstaltungen sowie Beteiligungen. Damals wie heute bringen sie Aussteller vieler Fachrichtungen zusammen. Besonders wichtig sind Technologie und Maschinenbau, Chemie und Kunststoffe sowie Öl und Gas und die Modebranche, sagt Geschäftsführer Thomas Stenzel. Sein Moskauer Team berät auch russische Firmen, die sich bei einer Messe im Ausland zeigen wollen.

Auf dem russischen Messemarkt sind die Düsseldorfer längst nicht mehr die einzigen Ausländer. 

„Russland hat viel investiert und sogar einige westeuropäische Länder überholt. Es ist heute ein Messeland, ähnlich wie Deutschland“, stellt Stenzel fest. Seit den Neunzigerjahren entwickelten sich in vielen Industriezentren des Landes kleine und große Standorte. „Fachmessen finden ihren Weg in die Regionen, in denen Bedarf besteht“, erklärt Stenzel. Das gilt zum Beispiel für die große russische Industriemesse Innoprom in Jekaterinburg am Ural und für die wichtigste Bergbaumesse Russlands Ugol Rossii & Mining im sibirischen Nowokusnezk. In die Kohleregion bringen Aussteller aus aller Welt jedes Jahr ihre tonnenschweren Bagger und Fördergeräte. Organisiert wird die Schau seit mehr als zwanzig Jahren von dem privaten Veranstalter Kuzbasskaya Yarmarka und der Messe Düsseldorf als internationalem Partner.

„Das Messegeschäft kann in Russland nur funktionieren, wenn ausländische und inländische Firmen eng zusammenarbeiten“, erklärt Stenzel. Sein Unternehmen hat deswegen nicht nur in Nowokusnezk, sondern auch in Sankt Petersburg, Kasan und Ufa russische Partner gewonnen.

In der Moskau arbeitet es mit der Firma Expocenter zusammen, dem zweitgrößten Messegelände des Landes. Es liegt im Schatten der Wolkenkratzer des Businessviertels Moskau City und wurde zu Beginn des Jahrtausends mit finanzieller Unterstützung der Düsseldorfer erweitert.

Den Aufbau der Stände übernimmt zumeist die einheimische Messebaufirma Expoconsta. Die Messe Düsseldorf ist für den Chef der Firma Nariman Eldarow „ein besonderer Partner, weil sich über Jahrzehnte ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt hat“, erzählt er.

„Die Deutschen haben uns mit ihren hohen Ansprüchen angespornt, besser zu werden."

„Die Deutschen haben uns mit ihren hohen Ansprüchen angespornt, besser zu werden“, erinnert sich Eldarow an den Anfang in den frühen Neunzigern. Mittlerweile kennen sich beide Unternehmen so gut, dass sie wissen, was der andere erwartet. „Wir haben uns im russischen Markt vernetzt und die Verlässlichkeit unserer russischen Partner schätzen gelernt“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung Dornscheidt. So sind auch hinter den Kulissen längst Fremde zu Freunden geworden.

Fotos: Hans-Jürgen Burkard, Video: Evgeny Kondakov

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