SMS group

Ein Herz für Stahl

Wie ein rheinisches Traditionsunternehmen die russische Metallurgie fit für die Zukunft macht.

Bald muss die Anlage im Herz der russischen Stahlindustrie eine Pause einlegen. Jeden Tag gießt sie mehr als achthundert Meter Stahl, der in glühenden Stahlbrammen durch die Halle rollt. Fast tausend Grad haben diese Brammen, bevor sie allmählich abkühlen.

Die Hitze ist schon aus großer Entfernung spürbar und setzt nicht nur Menschen zu, sondern auch der Maschine. Instandhaltung gehört deswegen mit zur Produktion. Bei einer Antriebsrolle steht der Kilometerstand schon kurz vor zweihundert. Zeit für einen Wechsel, weiß Alexander Chmeljew. Er ist für die Wartung der Stranggießanlage Nummer Sechs im größten Stahlwerk des Landes zuständig.

Chmeljews Arbeitsort ist die Stahlstadt Magnitogorsk, sein Arbeitgeber ein Familienunternehmen aus Düsseldorf.

Mitarbeiter der SMS group warten eine der sechs Stranggießanlagen von MMK in Magnitogorsk.

Fast anderthalb Jahrhunderte reicht die Geschichte der SMS group zurück. Aus der Schmiede des Carl Eberhard Weiss in Siegen ist einer der weltweit größten Ausrüster für die Metallindustrie geworden. Tradition hat auch das Russlandgeschäft. 

Maschine Nummer Sechs bei MMK.

Die SMS group hat das Stahlwerk MMK in Magnitogorsk ausgestattet.

Aus Stahl werden Rohre gemacht.

1932 lieferten die Erben von Herrn Weiss die ersten Walzwerke nach Magnitogorsk, als dort am Uralgebirge das Metallurgie-Kombinat MMK gegründet wurde. Auch in den Siebzigerjahren kamen wichtige Aufträge aus der Sowjetunion, die sogar zu Hochzeiten des Kalten Kriegs die moderneren Anlagen aus dem Westen einsetzte.

Die Geschäftsbeziehungen haben das Ende der Sowjetunion überdauert. „Wir sind seit Jahrzehnten mit fast allen großen russischen Stahlwerken in Kontakt“, sagt Heinrich Weiss, der 1974 in vierter Generation an die Spitze des Unternehmens kam. Das Wichtigste sei das vertrauensvolle Verhältnis gewesen, das er zu Werkleitern und Ministern für Schwarzmetallurgie und später zu den neuen Eigentümern der Stahlproduzenten aufbauen konnte. 

Den guten Draht pflegt Heinrich Weiss, auch nachdem er sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat.

So wurden im neuen Russland weitere große Anlagen eröffnet, die sein Unternehmen lieferte. Die russische Stahlproduktion hat sich vom Einbruch Anfang der Neunzigerjahre erholt, das Land gehört wieder zu den fünf größten Stahlproduzenten der Welt. Etwa ein Drittel der Produktion geht in den Export. Bereiche wie der Schiffsbau und die Fertigung von Pipelines erreichen Weltniveau. So hat die SMS group in der Stahlstadt Tscheljabinsk die größte Fabrik für Großrohre in Osteuropa gebaut.

In der hochmodernen Werkshalle des Konzerns Chelpipe entstehen aus Stahlblechen Rohre für die neue Ostseepipeline Nord Stream 2. Der Stahl dafür kommt von Anlage Nummer Sechs in Magnitogorsk, welche die SMS group geliefert hat. Dass ihre Mitarbeiter auch für die Wartung zuständig sind, markiert für den Maschinenbauer eine neue Etappe. 

„In Russland haben wir Wachstumsraten wie nirgendwo sonst auf der Welt."

Der Mittelständler SMS stellt nicht nur Anlagen für die Stahlindustrie her, er sorgt immer häufiger beim Kunden für ihren reibungslosen Betrieb. Russland steht dabei an erster Stelle, berichtet Pino Tesè, der bei der SMS group den Geschäftsbereich Technischer Service leitet. „In Russland haben wir Wachstumsraten wie nirgendwo sonst auf der Welt“, ergänzt der Deutsche mit sizilianischen Wurzeln. Seit zwei Jahrzehnten arbeitet er für den Anlagenbauer. Schon nach der Jahrtausendwende hatte er sich für die Investition in Russland eingesetzt und das Potenzial des Landes für SMS erkannt.

Die russische Regierung hatte sich vorgenommen, Eisenbahnschienen, Brücken, Kanalisationen und Pipelines zu erneuern und auszubauen. Dafür benötige Russland mehr Stahl als es derzeit produzieren kann, und die Werke müssen effizienter werden. Das ist nur mit modernen Methoden und Werkzeugen der Instandhaltung möglich.

In Magnitogorsk übernahm die SMS group das Instandhaltungspersonal des Kunden, stellte die Prozesse auf den Prüfstand und führte ein modernes System der Instandhaltung ein. Muss ein Teil an der Stranggießanlage Nummer Sechs ersetzt werden, beantragt SMS-Wartungsleiter Chmeljew beim Personal von MMK eine kurze Produktionspause. Die benötigten Teile nehmen er und seine Mannschaft vom Ersatzteillager der SMS group, das die Deutschen direkt im Kombinat eingerichtet haben. Kurze Wege bedeuten kürzere Ausfallzeiten und eine größere Produktivität. Dem Kunden gefiel das. MMK beauftragte die Düsseldorfer, auch seine übrigen fünf Stranggießanlagen zu warten.

Inzwischen setzt SMS dieses Service-Konzept auch beim Stahlgiganten NLMK in Lipezk um. „Referenzanlagen sind in unserem Geschäft wichtig“, erklärt Pino Tesè. Genauso wichtig war es für die Kunden, dass die SMS group Russland treu geblieben ist, als sich viele westliche Konkurrenten nach der Finanzkrise 2009 zurückzogen. Stattdessen bauten die Düsseldorfer das Geschäft aus. In der Gebietshauptstadt Tscheljabinsk, dreihundert Kilometer von Magnitogorsk entfernt, betreiben sie eine Reparatur-Werkstatt. 

In der hochmodernen Fabrik für Großrohre von Chelpipe in Tscheljabinsk, die SMS gebaut hat.

Etwa tausend Mitarbeiter hat die SMS group bereits in Russland. Ob im südlichen Ural oder den anderen Zentren der Metallurgie, sie sorgen dafür, dass das Herz der russischen Stahlindustrie schneller schlägt.

Fotos: Evgeny Kondakov, SMS group

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