Wasserstoff-Kooperation nimmt Fahrt auf

Wasserstoff und Dekarbonisierung werden in der deutsch-russischen Energiekooperation immer relevanter. Dieses Thema, das auf der Ebene von Expertengesprächen und Unternehmensinitiativen seinen Anfang nahm, gewinnt jetzt an Dynamik und findet auch auf der Regierungsebene Beachtung.

Wasserstoff-Kooperation nimmt Fahrt auf

Am 2. Juni fand im Rahmen des 4. Unternehmertages "Russland in Mecklenburg-Vorpommern" ein Workshop mit dem Schwerpunkt Wasserstoff statt, der von Torsten Murin, Managing Director Wintershall Dea Russia und Vorsitzender der Initiativgruppe Wasserstoff bei der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), geleitet wurde. In diesem Interview macht er eine umfassende Bestandsaufnahme der jüngsten Entwicklungen auf diesem Gebiet und was sie für die Aktivitäten deutscher Energieunternehmen in Russland bedeuten.

Im April unterzeichneten Andreas Feicht, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, und Pavel Sorokin, stellvertretender Energieminister der Russischen Föderation, eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) zur Förderung der deutsch-russischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der nachhaltigen Energie. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Seit Jahrzehnten basiert die deutsch-russische Energiepartnerschaft auf hervorragender Expertise und vertrauensvoller Zusammenarbeit.  Derzeit zeigen Wirtschaftsführer und Politiker auf beiden Seiten ein großes Interesse an der Ausweitung dieser Partnerschaft auf neue Geschäftsfelder, die sich im Zuge der Dekarbonisierung der Wirtschaft ergeben, zum Beispiel die Entwicklung von Spitzentechnologien wie die Produktion und den Transport von Wasserstoff.  In Russland und Deutschland sind die notwendigen Netzwerke und das Know-how, um den Aufbau eines Wasserstoffmarktes zu beschleunigen, bereits vorhanden. Das jüngste Memorandum of Understanding zwischen der deutschen und der russischen Regierung, das speziell die Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Wasserstoffs beinhaltet, ist eine willkommene Entwicklung, da dadurch das Potenzial offiziell anerkannt und der deutsch-russischen Energiepartnerschaft ein neuer Schwung mit Sicherheit verliehen wird. Es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Sie haben erwähnt, dass seitens der Wirtschaft ein großes Interesse an der deutsch-russischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Wasserstoffs besteht. Welche Rolle spielt die Deutsch-Russische Außenhandelskammer in diesem Prozess?

Die AHK, in der Wintershall Dea ein aktives Mitglied ist, bildet aus meiner Sicht eines der wichtigsten Synergiezentren. Im September 2020 gründeten wir die die Initiativgruppe Wasserstoff, um die Wasserstoffkooperation zwischen unseren Ländern zu intensivieren und eine Dialogplattform zur Verfügung zu stellen. Eines der Hauptziele ist die Schaffung und Förderung günstiger Rahmenbedingungen für Wasserstoffpartnerschaften und die Unterstützung von gegenseitig vorteilhaften Initiativen, wie z.B. die internationale Anerkennung von CO2-Zertifikaten, die Entwicklung gemeinsamer Regelwerke und Standards im Bereich Wasserstoff etc. Darüber hinaus hat die AHK kürzlich eine Veranstaltung zur Wasserstoffwirtschaft organisiert, die vor einigen Wochen im Rahmen der Deutschen Woche in St. Petersburg stattfand und bei der einige spannende neue Projekte in diesem Bereich vorgestellt wurden.

Dieser intensive Austausch spiegelt sich auch in zahlreichen energiewirtschaftlichen Konferenzen und Podiumsdiskussionen wider. Anfang Juni haben Sie bei der Veranstaltung „Russland in Mecklenburg-Vorpommern“ einen Workshop zur deutsch-russischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wasserstoffproduktion und des Wasserstofftransports geleitet. Warum sind diese Veranstaltungen so wichtig und welche Ergebnisse bringen sie?

Dieser Workshop und die große Bandbreite der Teilnehmer sind ein weiterer Beweis dafür, dass Wasserstoff nicht nur ein fester Punkt auf der Tagesordnung jeder Energiekonferenz ist, sondern auch ein zentrales Thema in jeder Veranstaltung über neue Perspektiven der wirtschaftlichen und geschäftlichen Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland. Und ich bin sicher, dass wir mit jeder Veranstaltung und jeder Diskussion zu diesem Thema dem Start neuer Wasserstoff-Pilotprojekte zwischen Deutschland und Russland näher kommen.

Das Interesse an dieser Art von Austausch nimmt auch auf russischer Seite zu. Im April habe ich am Nationalen Öl- und Gasforum in Moskau teilgenommen.  Das Podiumsgespräch, auf dem ich sprechen durfte, trug den Titel „Wasserstoffstrategie:  Entwicklung von Zukunftstechnologien, internationale Zusammenarbeit und Wirtschaftswachstum“ und ermöglichte einen sehr guten und konstruktiven Expertenaustausch über die weitgehende Dekarbonisierung - nicht nur im Hinblick auf die Entwicklung von Technologien zur Wasserstofferzeugung und CO2-Abscheidung und -speicherung (CCS), sondern auch in Bezug auf die sich verändernden regulatorischen Rahmenbedingungen, aufgrund derer die europäisch-russische Energiekooperation neu gestaltet wird. Schließlich sollten wir bei allen Diskussionen über die spannenden Möglichkeiten im Bereich Wasserstoff und CCS das große Ganze nicht aus den Augen verlieren - nämlich, dass Erdgas ein wichtiger Bestandteil des Energiemixes bleiben wird, während sowohl Europa als auch Russland den Weg zu einer deutlichen Reduzierung der CO2-Intensität ihrer Märkte eingeschlagen haben. Die neuen Technologien werden entwickelt, um beide Tendenzen effizient und harmonisch zu verbinden.

Apropos veränderte regulatorische Rahmenbedingungen in Bezug auf die Dekarbonisierung und den Energiesektor: Welche Auswirkungen haben diese auf die Arbeit der Wintershall Dea in Russland, und welchen Beitrag kann das Unternehmen im Gegenzug leisten?

Gemeinsam mit unseren Kollegen in Deutschland verfolgen wir ständig die politischen Diskussionen zu den aktuellen Initiativen sowohl in der Europäischen Union, z.B. der European Green Deal, der ein Emissionshandelssystem und die zukünftige Umsetzung des CO2-Grenzausgleichsmechanismus einschließt, als auch in Russland,  z.B. die Gesetzgebung zur Regulierung von Emissionen.

In dieser Hinsicht fungiert Wintershall Dea Russia als zentrale Anlaufstelle zwischen unserem Geschäft in Russland und den Konzernzentralen in Deutschland und bringt ihre Expertise auch in die Diskussionen ein, die auf Regierungsebene zwischen Russland und Deutschland geführt werden.

Insbesondere leisten wir Unterstützung bei der Bewertung von Gesetzesinitiativen und der Formulierung von Vorschlägen zu deren Harmonisierung und gegenseitiger Anerkennung in verschiedenen Rechtssystemen. Das Hauptziel unserer Aktivitäten in diesem Bereich besteht also darin, ein faires und ausgewogenes Regelwerk für länderübergreifend tätige Unternehmen zu schaffen und ein schrittweises Vorgehen im Einklang mit unseren Geschäftsinteressen auszuarbeiten.

Feedback
Kontakt
Business-Center Fili Grad, Beregovoy Proezd 5A K1, Etage 17, 121087 Moskau. Fili
Google Map
Telefon:

+7 495 234 49 50

Fax:

+7 495 234 49 51

Danke für Ihre Anfrage!