Arbeiten jenseits von Zeit und Raum

Wie die deutsche Softwareschmiede SAP im Homeoffice und in Rekordzeit einen neuen Abholservice für die russische Supermarktkette Lenta entwickelt hat.

Arbeiten jenseits von Zeit und Raum

Als viele Unternehmen zu Beginn der Coronakrise noch überlegten, ob und wie sie auf Homeoffice umstellen sollen, war SAP schon einen Schritt weiter. Die Russland- und GUS-Tochter der Walldorfer Softwareschmiede hatte ihre mehr als 1.300 Mitarbeiter nach Hause geschickt, bevor es von Stadt- und Regionalregierungen verordnet wurde. Und auch im März 2021, knapp ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie in Russland, arbeitet die Mehrheit der SAP-Mitarbeiter von Zuhause aus. „Videokonferenzen sind unser primäres Kommunikationsmittel“, sagt SAP-Russlandchef Andrej Filatow im Videogespräch per Microsoft Teams. Der 47-jährige IT-Ingenieur startete seine Karriere bei einem russischen Softwareunternehmen im Ural, von 2015 bis 2019 war er Osteuropachef des amerikanischen IT-Riesen IBM. Jetzt leitet er SAP quasi aus seiner Wohnung in Moskau heraus. Und das offenbar mit Erfolg: „Die Effizienz ist gestiegen. Es gibt weniger ineffektive Kommunikation, viele Besprechungen sind deutlich kürzer als früher“, sagt er.

Zahlreiche neue Projekte wurden in der Krise ins Leben gerufen, so Filatow. Ein Beispiel ist Lenta, mit über 350 Filialen in 88 Städten der viertgrößte Einzelhändler Russlands. Weil die Infektionszahlen in die Höhe schnellten und immer mehr Russen im Internet bestellten, wollte Lenta seinen Kunden kurzfristig anbieten, Produkte bequem online zu kaufen und in Einkaufstüten verpackt im Laden abzuholen. Die Herausforderung: Lenta fehlte das technische Know-how für den im Marketingjargon Click and Collect genannten Abholservice. 

„Mithilfe unserer SAP Commerce Cloud haben wir den neuen Abholservice innerhalb von nur zwei Monaten eingeführt – und zwar komplett remote“, erzählt Filatow. „2020 haben wir viele Projekte aus der Ferne gestartet. Eine Idee wird online umgesetzt und manifestiert sich in der Wirklichkeit. Wir sehen immer mehr, wie die Grenzen zwischen Online und Offline langsam verschwinden.“ Heute ist 80 Prozent des Lenta-Sortiments über den Abholservice verfügbar. „Für Lenta ist Click and Collect ein großer Erfolg. Jeden Monat wächst das Auftragsvolumen um 150 bis 180 Prozent, und der Durchschnittswert eines Kassenbons ist anderthalbmal höher als bei herkömmlichen Offlinekäufen“, so Filatow.

Die Stunde der Gunst

Erfolgsgeschichten wie Lenta funktionieren vor allem dann, wenn der Kunde weiß, was er will. „Lenta wollte keine Zeit verlieren, sondern hat direkt reagiert. Das war genau die richtige Entscheidung“, so der SAP-Chef. Unternehmen, die Investitionspläne wegen der Krise aufgeschoben haben, hinken dagegen hinterher. „Stellen Sie sich vor, Sie wissen, dass Sie im nächsten Jahr bei einem Wettkampf antreten müssen, aber Sie wissen nicht, in welcher Sportart. Wenn Sie täglich Ihren Körper trainieren, haben Sie eine bessere Chance zu gewinnen als derjenige, der nur auf der Couch sitzt – egal ob Laufen, Fußball oder Schwimmen.“

Eine ähnliche Denkweise hatte das Topmanagement von ER-Telecom, einer 15.000 Mitarbeiter zählenden Telekommunikationsholding mit Hauptsitz in der Uralstadt Perm. Während Corona viele Bereiche der Wirtschaft in Panik versetzte, hat ER-Telecom in die Zukunft investiert und sein Personalmanagement radikal umgesetellt. „Das Unternehmen hat zum richtigen Zeitpunkt erkannt, dass loyales und glückliches Personal der wichtigste Erfolgsfaktor in einer Krise ist – und deshalb SAP SuccessFactors eingeführt“, erklärt Filatow. Zum einen hilft die cloudbasierte SAP-Technologie, Personal effizienter zu verwalten, angefangen vom Onboarding über Ziel- und Leistungsmanagement bis hin zur Vergütungsplanung. Zum anderen profitieren aber auch die Mitarbeiter vom Zugang zu internen Informationen, Feedback zu ihrer Arbeitsleistung sowie der Möglichkeit, sich für Schulungen und Weiterbildungen anzumelden.

Und wie sieht die Zukunft aus?

Für Filatow ist Homeoffice nicht mehr aus unserer Arbeitswelt wegzudenken. Aber ohne persönliche Gespräche wird es auch in Zukunft nicht gehen. „Ich denke, wir können die Uhr nach Corona nicht mehr zurückdrehen. Wir werden in einem gemischten Modell arbeiten – teilweise zu Hause, teilweise im Office“, so Filatow.

Auf die Frage, wie unsere Arbeitswelt in zehn Jahren aussieht, reagiert er mit einem Lächeln. „Wenn ich das wüsste, wäre ich Futurologe. Wenn wir auf die vergangenen zehn Jahre blicken, sehen wir kolossale Veränderungen, mit denen früher niemand gerechnet hätte.“ Schon jetzt lassen sich aber Trends erkennen: Cloudbasierte Technologien legen auch in Russland immer stärker zu und beschleunigen alle Arbeitsprozesse. Russische Entwickler arbeiten an weltweit führenden Lösungen für Künstliche Intelligenz, Internet of Things, Blockchain und Machine Learning. Und: Russische Industrieunternehmen werden immer intelligenter und entwickeln ganzheitliche Ökosysteme. Filatow ist sich sicher, „dass uns diese Themen in den nächsten zehn Jahren begleiten und prägen werden.“

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