Russland „entdollarisiert“ – alte und neue Maßnahmen

Diese Aufschlüsselung des russischen Wohlstandsfonds nach Währungen hat das Finanzministerium Anfang Juli veröffentlicht. Einer kommt demnach nicht mehr darin vor: der US-Dollar.

Russland „entdollarisiert“ – alte und neue Maßnahmen

Russland hat in jüngster Zeit die „Entdollarisierung“ vorangetrieben, also den angestrebten Verzicht auf den US-Dollar in seinen Rücklagen und Außenhandelstransaktionen. Damit will es sich vor denkbaren Sanktionen gegen bereits in Umlauf befindliche russische Staatsanleihen schützen. Solche Schritte seitens der USA sind auch nach dem Treffen des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Joe Biden am 16. Juni in Genf nicht ausgeschlossen.

Konkret hatte Finanzminister Anton Siluanow auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg (SPIEF) am 3. Juni verkündet, sein Land verzichte komplett auf den US-Dollar in dem zur Renten- und Haushaltsstabilität eingerichteten, 13,6 Billionen Rubel (157 Milliarden Euro) schweren nationalen Wohlstandsfonds.

Am 5. Juli wurde diese Ankündigung umgesetzt: Das Finanzministerium strich den US-Dollar aus dem Fonds.

Und es reduzierte den Anteil des britischen Pfunds von 10 auf 5 Prozent, beließ den Anteil der japanischen Währung Yen bei 5 Prozent und erhöhte umgekehrt die Anteile des Euro von 35 auf 40 Prozent und den der chinesischen Währung Yuan von 15 auf 30 Prozent. Die übrigen 20 Prozent legt Russlands Finanzministerium neu in Gold an. Gold allerdings wird an den internationalen Börsen in Dollar gehandelt. Als der Fonds 2008 geschaffen wurde, lag der Anteil von US-Dollar bei 45 Prozent. Ebenso groß waren die Anteile in Euro. 5 Prozent des Fonds bestanden aus dem britischen Pfund.

Die russische Zentralbank hatte bereits 2018 die Währungsstruktur der nationalen Devisenreserven zuungunsten des US-Dollars geändert: Im März 2018 entfielen noch 44 Prozent der Rücklagen auf die US-amerikanische Währung, im Juni 2018 waren es nur noch 22 Prozent. Erhöht wurden damals die Anteile des Euro (von 22 auf 32 Prozent), des Yuan (von 5 auf 15 Prozent) sowie sonstiger Währungen (von 4 auf 8 Prozent). Die Zentralbank hatte im April und Mai 2018 US-Bundesanleihen im Gesamtwert von 81 Milliarden US-Dollar verkauft. Dies geschah, als die USA Sanktionen gegen die russischen Großindustriellen Oleg Deripaska, Wiktor Wekselberg und Suleiman Kerimow sowie gegen die Chefs von Gazprom, Alexej Miller und der zweitgrößten russischen Bank VTB Andrej Kostin verhängten. Zuvor hatten die USA Aktiva der Notenbanken des Irans (seit 1979) und Libyens (2011) mit Sanktionen belegt. Zum 31. Dezember 2020 (letzte verfügbare Daten) wiesen die russischen Devisenreserven folgende Struktur auf: 29 Prozent Euro, 23 Prozent Gold, 21 Prozent US-Dollar, 13 Prozent Yuan, 6 Prozent britisches Pfund, der Rest entfiel auf sonstige Währungen. Damit ist der Anteil des US-Dollar einschließlich des in Dollar gehandelten Goldes mit insgesamt 44 Prozent immer noch deutlich höher als der Anteil des Euro.

Die hohen und zunehmenden Anteile des Euro und des Yuan spiegeln die führende Position der EU und Chinas als Russlands Handelspartner wider: Der Anteil der EU-28, also einschließlich Großbritanniens, am gesamten Außenhandel Russlands lag im Corona-Jahr 2020 bei 38,5 Prozent, der Anteil Chinas bei 18,3 Prozent.

In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres, für die die entsprechenden Werte vorliegen, waren sie ähnlich: Mit der EU-27 tauschte Russland Waren und Dienstleistungen im Wert von 35,7 Prozent, mit Großbritannien von 3,1 Prozent und mit China von 18,1 Prozent aus. Auf die USA entfielen 2020 lediglich 4,2 Prozent und in ersten fünf Monaten 2021 4,7 Prozent des russischen Außenhandels.

Im 4. Quartal 2020 schaffte es Russland erstmals, weniger als die Hälfte seiner Exportgeschäfte in US-Dollar zu tätigen (48 Prozent). Dieser Wert hatte im 3. Quartal 2020 noch bei 57 Prozent, im 2. Quartal bei 58 Prozent und im 1. Quartal bei 62 Prozent gelegen. Der Anteil des Euro an den Gesamtexporten Russlands stieg im gleichen Zeitraum von 23-24 Prozent auf 36 Prozent, an den Exporten in die EU-28 von 42 auf 50 Prozent. Die China-Exporte Russlands wurden im vergangenen Jahr zu 65 Prozent und im 4. Quartal sogar zu 83 Prozent in Euro bezahlt. In Rubeln wurden 2020 vor allem die russischen Exporte in die EAWU-Länder Belarus, Kasachstan, Armenien und Kirgisien sowie nach Indien abgewickelt (69 Prozent bzw. 58 Prozent). 

Quelle: Finanzministerium, Zentralbank 1, 2, Zolldienst (alle RU)

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