Weniger abhängig von Öl und Gas? Milchmädchenrechnung aus Moskau

Präsident Wladimir Putin zufolge verringert Russland seine Abhängigkeit von den Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport. Im Corona-Jahr 2020 sei nur noch ein Drittel aller Staatseinnahmen auf föderalem Niveau auf die Ausfuhr der beiden Energierohstoffe entfallen.

Weniger abhängig von Öl und Gas? Milchmädchenrechnung aus Moskau

Das Finanzministerium meldete in diesem März einen massiven Rückgang des Anteils der Öl- und Gaseinnahmen am Staatshaushalt. Während dieser 2019 bei 46% und 2018 bei 39% gelegen hatte, fiel der für 2020 kalkulierte Wert von 28% noch niedriger aus als von Putin prognostiziert. Dies veranlasste den russischen Staatschef im Dezember 2020 dazu, den Beginn der langersehnten Entziehungskur von der „Öl- und Gasspritze“ zu verkünden. Die Vorstellung, dass Russland immer noch eine „Tankstelle“ sei, sei überholt. Wie ist die rückläufige Tendenz aber volkswirtschaftlich zu erklären?

Bei genauerer Betrachtung der Entwicklung der Öl- und Gaseinnahmen und des für Russland relevanten Preises für die Ölsorte Urals lässt sich zumindest im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts eine ausgeprägte Korrelation der beiden Indikatoren feststellen:

Neben der weltweiten Nachfrageflaute ist aber auch die mit den „OPEC+“-Ländern vereinbarte gedrosselte Ölfördermenge Russlands (513 Mio. Tonnen im Jahr 2020; -8,6% ggü. 2019) für den Preisrückgang verantwortlich. Die Menge des von Russland exportierten Rohöls ging dabei noch stärker zurück (239 Mio. Tonnen im Jahr 2020; -11,4%% ggü. 2019). Russland verzeichnete deshalb Einnahmeeinbußen von 50 Mrd. US-Dollar gegenüber 2019 (-59,2%). Der Anteil des Rohöls an den Gesamtexporten verringerte sich von 29% auf 21%, während auf alle Energierohstoffe „lediglich“ 50% der Gesamtexporte entfielen (2019: 62%).

Auch wenn die schlechte konjunkturelle Lage und die „OPEC+“-Förderkürzungen zweifellos die wichtigsten Faktoren bei der von Russland gerne propagierten Überwindung seiner Erdölabhängigkeit sind, ist nicht von der Hand zu weisen, dass auch andere Güter zunehmend ihre Abnehmer im Ausland finden. Exemplarisch dafür stehen Agrarprodukte und Lebensmittel, von denen Russland im vergangenen Jahr 19,2% mehr (Gesamtwert: 30 Mrd. US-Dollar) ausführte als 2019. Andererseits wurden im Corona-Jahr 10,1% weniger Maschinen und Anlagen (Gesamtwert: 25 Mrd. US-Dollar) bzw. 11,9% weniger chemische Erzeugnisse (Gesamtwert: 24 Mrd. US-Dollar) exportiert. / Vedomosti (RU), Russ. Finanzministerium (RU), Föderaler Zolldienst (RU), eigene Berechnungen 

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