Gespräch mit Ex-DIHT-Chef Hans Peter Stihl: Nur keine Angst vor Russland-Engagement

Der Direktor der Filiale Nordwest der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und Stellvertretende Delegierte der Deutschen Wirtschaft in Russland, Wladimir Nikitenko, hat per Videoschalte ein Interview mit Hans Peter Stihl, dem persönlich haftenden Gesellschafter der „Stihl Holding AG & Co. KG“ und ehemaligen Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHT), geführt. Vor genau 30 Jahren war er einer der Initiatoren der Eröffnung des Repräsentanz-Büros der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Russland. Das Büro in St. Petersburg war sowohl das erste in Russland als auch in der damals erst kürzlich geschaffenen Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS).

Gespräch mit Ex-DIHT-Chef Hans Peter Stihl: Nur keine Angst vor Russland-Engagement

Das Interview wird in einem Film integriert, den die Delegation für das Jubiläumsprojekt vorbereitet. In diesem Film erzählen wir die 30-jährige Geschichte der Repräsentanz der deutschen Wirtschaft in St. Petersburg, die sich aus Erfolgsgeschichten  deutscher Firmen, Unternehmen und prominenter Wirtschaftsvertreter in Russland zusammensetzt.

Die Dreharbeiten laufen noch bis zum Frühjahr. Am 22. April 2022 wird bei einem Gala-Empfang zum 30-jährigen Bestehen der Repräsentanz die Premiere dieses Films gefeiert.

Im Folgenden finden Sie einige Auszüge aus dem Interview. Die vollständige Fassung wird in der Jubiläumsbroschüre zum 30-jährigen Bestehen der Delegation veröffentlicht.


Sehr geehrter Herr Stihl, für uns ist es eine große Ehre, dass Sie Zeit für das Gespräch gefunden haben. Heute möchten wir uns zusammen mit Ihnen an die Eröffnung des Büros der Delegation der Deutschen Wirtschaft in St. Petersburg im Jahr 1992 erinnern.

1988 hatten Sie das Amt des DIHT-Präsidenten von Ihrem Vorgänger Otto Wolff von Amerongen übernommen. Was haben Sie damals gefühlt?

Ich habe mich geehrt gefühlt, dass ich nach einem so bedeutenden Unternehmer wie Otto Wolff von Amerongen dieses Amt übernehmen konnte. Am Anfang habe ich mich dafür eingesetzt, die Repräsentanzen der Deutschen Wirtschaft weltweit stärker nach vorne zu bringen.

Otto Wolff von Amerongen war schon traditionell sehr stark mit Russland und Osteuropa verbunden. Er war derjenige, der zuerst diese Aktivitäten auf den Weg gebracht hat. Ich habe es dann als sein Nachfolger fortgeführt. Wir haben mit Nachdruck daran gearbeitet, auch die Verbindung mit Russland - weil Russland und Deutschland sehr viel gemeinsam haben, vor allem auf der wirtschaftlichen Ebene- zu stärken.

Die Eröffnungsfeier fand am 23. März 1992 statt. Knapp 270 Ehrengäste wurden dazu eingeladen – darunter viele deutsche und russische Unternehmensvertreter. Der damalige Oberbürgermeister von Sankt Petersburg, Anatoli Sobtschak, und sein Stellvertreter Wladimir Putin waren auch dabei. Welche Erwartungen waren mit diesem Abend verbunden?

Natürlich hatten wir die Erwartungen, dass sich die wirtschaftliche Zusammenarbeit vertiefen wird. Ich habe mich auch darüber gefreut, dass ich Herrn Putin in seiner damaligen Position kennengelernt habe. Weitere Kontakte sind aus unserer Bekanntschaft aber nicht entstanden.

Bei der Eröffnungsfeier haben Sie gesagt, dass das Sankt Petersburger Büro „kein einseitiger Vorposten der deutschen Wirtschaft, sondern eine Brücke für deutsche und russische Unternehmen gleichermaßen sei“. Ist Ihr Vorhaben gänzlich aufgegangen?

In aller Gänze wahrscheinlich nicht, aber es war immerhin der Beginn einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit und darauf würde ich auch heute noch großen Wert legen.

Kurz nach der Eröffnung des Repräsentanz-Büros wurde das Büro der Firma STIHL in St. Petersburg eröffnet. Sind in den 1990er-Jahren deutschen Unternehmen angstfrei nach Russland gekommen?

Aufgrund der damaligen Verbindungen habe ich mich entschlossen, ein eigenes Büro der Firma STIHL in St. Petersburg zu eröffnen, das heute noch sehr gut funktioniert. Natürlich hat es mich als Unternehmer gereizt, in St. Petersburg tätig zu werden. Ursprünglich befand es sich unter der berühmten Adresse „Bolschoi Prospekt Wasilij Insel 10“, im sogenannten „Haus der deutschen Wirtschaft“. Später wurden mehrere Repräsentanten von STIHL in Russland eröffnet.

In den 1990er-Jahren hatten wir, die deutschen Unternehmer, keine Angst nach Russland zu kommen, weil wir entsprechende wirtschaftliche Möglichkeiten gesehen haben und weil wir auch erkannt haben, dass Russland selbst an der Entwicklung seiner Wirtschaft sehr interessiert ist. Von Angst, in Russland tätig zu sein, kann überhaupt keine Rede sein. Wir arbeiten intensiv daran, den Markt in Russland für uns zu erschließen.

Was wünschen Sie der Repräsentanz der deutschen Wirtschaft in St. Petersburg und ihren Mitarbeitern zu ihrem Jubiläum?

Wir wünschen Ihnen, dass Sie auch weiterhin intensiv deutsche Firmen in Russland ansiedeln, denn es gibt natürlich wirtschaftlich sehr viel zu tun und Deutschland ist auch bereit, Russland wirtschaftlich zu unterstützen.  

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