Rhenus: „Wollen echter Partner des russischen Zolls werden“

Der führende Logistikdienstleister Rhenus ist weltweit an 820 Standorten vertreten und beschäftigt etwa 33.500 Mitarbeiter. In Russland ist das Unternehmen seit 1992 aktiv und hat es als erstes ausländisches Unternehmen geschafft, einen eigenen Zollterminal an der russischen Grenze zu errichten. Über die Erfolge des Unternehmens bei der Digitalisierung und Ideen zur Verbesserung des Zollverfahrens in Russland sprach Olaf Metzger, Geschäftsführer von Rhenus Freight Logistics Russland.

Rhenus: „Wollen echter Partner des russischen Zolls werden“

Dieses Interview stammt aus unserer jährlichen Publikation „100 Fragen und Antworten zum Russlandgeschäft“. In Interviewform schildern die in Russland tätigen Unternehmen ihre je persönliche Sicht auf ihre Branche und den russischen Markt.


Rhenus ist das einzige ausländische Unternehmen, das es geschafft hat, einen Logistikterminal mit einem eigenen Zollposten in Russland einzurichten. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Als wir unser Zoll- und Logistikterminal konzipiert haben, mussten wir zunächst einen Standort wählen. Wir beschlossen, diesen im Gebiet Smolensk zu bauen, drei Kilometer von der weißrussischen Grenze entfernt, an der Fernstraße M1 – also direkt auf der Route der europäischen Warenlieferungen nach Russland.

Das Projekt wurde auf zwei Ebenen umgesetzt – in Zusammenarbeit mit dem Föderalen Zolldienst auf der einen und mit der Verwaltung des Gebiets Smolensk auf der anderen Seite.

Alles lief also glatt über die Bühne? Oder gab es doch Schwierigkeiten? 

Tatsächlich lief alles unkompliziert, um ehrlich zu sein. Wir haben eine enorme Unterstützung seitens des Föderalen Zolldienstes und der Verwaltung des Gebiets Smolensk erfahren. Der Vize-Gouverneur der Region hat Rhenus-Standorte in Deutschland und der Schweiz persönlich besucht, um zu sehen, wie Rhenus im Bereich der Zollabwicklung arbeitet. Wir hatten auch die Möglichkeit, an der Zollkonferenz im russischen Generalkonsulat in Bonn teilzunehmen. Dort haben wir unser Projekt ebenfalls beworben und Unterstützung bekommen.

Die Zollabfertigung in Russland gilt als kompliziertes Verfahren. Laut AHK-Umfragen sehen viele deutsche Unternehmen dies als Hindernis für ein gutes Geschäftsklima. Teilen Sie diese Ansicht? 

Ja, aber dafür gibt es ja Dienstleister wie Rhenus, um komplizierte Zollformalitäten zu vereinfachen. Wir müssen verstehen, was genau die Arbeit unserer Kunden in Russland behindert, um diese Probleme dann beheben zu können.

Eigentlich sucht Rhenus gern nach solchen Hindernissen. Wir befassen uns mit einem Problem und arbeiten daran, bis wir eine Lösung gefunden haben. Genau aus diesem Grund hatten wir unser Zoll- und Logistikterminal gebaut, weil es in Russland akut an der Zollinfrastruktur mangelte.

Nun befindet sich auf dem Gelände unseres Terminals ein eigener Zollposten. Das heißt, hier sitzen russische Zollbeamte, die die Fracht unserer deutschen und europäischen Kunden kontrollieren. Das haben wir geschafft, damit ist aber bei weitem noch nicht Schluss. Wir werden auch weiter Lösungen zur Automatisierung des Zollverfahrens entwickeln.

Man könnte fast behaupten, dass Rhenus die russische Zollpolitik in einem gewissen Maß beeinflusst. Gibt es denn weitere Projekte, die Rhenus gemeinsam mit dem russischen Zoll verwirklichen möchte? 

Eigentlich hatten wir von Anfang an drei Ziele. Erstens den Zoll- und Logistikterminal aufbauen, was wir auch getan haben. Zweitens einen eigenen Zollposten haben, was vor Kurzem Realität wurde. Und drittens wollen wir zu einem echten Partner des russischen Zolls werden, um mit unserem Wissen und Möglichkeiten bei der Umsetzung der Entwicklungsstrategie der Zollbehörden bis 2030 zu helfen.

Konkret haben wir das Projekt „Grüner Zollkorridor“ zwischen der EU und Russland entwickelt. Die Idee ist simpel: Europäische Ausfuhrdokumente, die eine Bestätigung der Ausfuhr von Waren aus der Europäischen Union enthalten, werden im XML-Format eingereicht. Dieses XML-Dokument enthält eine elektronische Signatur der EU-Zollbehörde, welche die Echtheit der angegebenen Daten bestätigt. Nach Prüfung der elektronischen Unterschrift werden diese Daten dann an das russische Zollsystem übermittelt.

Darüber hinaus führen wir Gespräche mit der Verwaltung von Frankfurt an der Oder, um dort ein ähnliches Zoll- und Logistikterminal zu bauen und somit russische Exporte nach Europa anzukurbeln. Zu diesem Zweck haben wir auch das Unternehmen Spaarmann übernommen, das bereits große Frachtströme von Russland nach Europa an der deutsch-polnischen Grenze abwickelt. Das ist eine Grundlage für die weitere Entwicklung.

Welche weiteren Erfolge kann Rhenus im Bereich Digitalisierung vorweisen?

Wir haben bereits eine einzigartige Lösung verwirklicht – den Customs Control Tower. Das ist eine Art zentrale Datenbank, die alle für den Außenhandel erforderlichen Informationen enthält. Das heißt, Informationen über Verträge, Warenpreise, technische Beschreibungen, Bescheinigungen und so weiter.

Was macht diese Lösung so einzigartig?                                                                                                                                 

Das Besondere daran ist, dass diese Datenbank direkt an die Zollsysteme verschiedener Länder angeschlossen ist. Dadurch wird eine reibungslose Lieferkette ohne viel Papierkram möglich gemacht, denn dieselben Dokumente müssen nicht mehrmals bei verschiedenen Zollbehörden in unterschiedlichen Ländern vorgelegt werden.

Das Projekt kommt gut voran und wurde durch den Brexit beschleunigt, als Unternehmen bei den Warenlieferungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU abrupt auf vollständige Zollanmeldung umstellen mussten. Dank Customs Constrol Tower haben unsere Kunden Geld und Zeit eingespart.

Was sind die nächsten Pläne von Rhenus?

Das ist der bereits erwähnte „Grüne Korridor“. Außerdem wollen wir Russland an das globale Netz von Customs Control Tower anschließen, damit das Land auch in diese globale Dokumenten- und Informationskette integriert wird. Und wir arbeiten derzeit mit Unterstützung des Fraunhofer-Instituts daran, Blockchain-Technologien in Russland zu integrieren. Das wollen wir dem Föderalen Zolldienst und dem Russischen Exportzentrum anbieten.

Wie hat die Pandemie die Arbeit des Terminals beeinflusst?

Hier hat es keine Änderungen gegeben. Wir haben im gewohnten Modus weitergearbeitet. Was die Frachtvolumen betrifft, so gab es tatsächlich einen leichten Rückgang, der jedoch nicht lange anhielt. Bei einigen Gütern, wie zum Beispiel medizinischen Geräten, ist das Volumen hingegen gestiegen. Ende 2020 war das Warenvolumen fast wieder auf dem vorherigen Niveau.

Unsere Arbeit hört nie auf, da wir solche wichtigen Bereiche wie Medizin und Pharma bedienen. Auch die Tatsache, dass unser Terminal für alle offen ist, also nicht nur für Rhenus-Kunden, sondern auch für Drittfirmen und Zollvertreter, hat uns geholfen. So können wir die Mengen ausgleichen.

Wie finden Sie qualifizierte Arbeitskräfte? Sie wollen doch ein junges, dynamisches Team haben. 

Wir wollen es nicht nur, wir tun es bereits. Flexibilität ist ein Merkmal von Rhenus, wir sind der Zeit immer einen Schritt voraus, auch in Sachen Personal. Wir bieten interessante Programme für junge Fachkräfte. Wir haben auch interne Fortbildung, die Rhenus-Akademie, in der nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Führungskräfte ihre beruflichen Fähigkeiten weiterentwickeln können.

Ab 2021 nehmen wir auch am Programm für die duale Berufsausbildung der AHK Russland teil, um unser junges Team zu vergrößern und die offenen Stellen zu besetzen. Wir haben die AHK zudem aufgefordert, sich auf die Ausbildung von Personal für die Zollanmeldung zu konzentrieren, das wir und andere Unternehmen benötigen.

Unterstützt die AHK Sie bei Ihren Projekten?

Ja, immer und bei allem. Wir haben sehr enge Beziehungen zur AHK Russland. Der Vorstandsvorsitzende unserer Muttergesellschaft, Klemens Rethmann, ist Mitglied des AHK-Präsidialrats. Von unserem neuen Logistikzentrum, das wir in Krasnodar errichten, bis hin zum "Grünen Zollkorridor" und dem Customs Control Tower sind wir davon überzeugt, dass all diese Projekte - auch dank der kontinuierlichen Unterstützung der AHK - verwirklicht werden können.

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