Continental

Investiert und ausgereift

Einer der weltgrößten Automobilzulieferer setzt auf deutsche Qualität aus russischer Hand

In dieser Backstube riecht es nach heißem Gummi. Aus Kautschuk und Chemi­kalien besteht der Teig, der zweihundert Kilometer südwestlich von Moskau in einer Fabrik in Kaluga angerührt wird. Nach vielen Stationen wird ein Rohling für zehn Minuten im Ofen gebacken.

So entstehen Tag für Tag zehntausend schwarze runde Meisterwerke. Auf ihnen steht „Made in Russia“ geschrieben, doch ihre Zubereitung folgt einem Geheimrezept aus Deutschland.

Mit Reifen ist Continental zur weltweiten Marke geworden. Bereits im 19. Jahrhundert rollten Kutschen und Fahrräder auf Produkten der 1871 gegründeten Aktiengesellschaft durch Deutschland.

Heute fährt jedes dritte Auto in Europa mit Reifen von Continental. Das Unternehmen stellt darüber hinaus viele Komponenten für den Fahrzeugbau her und ist zu einem der größten Automobilzulieferer aufgestiegen. Über 236 000 Mitarbeiter auf allen Kontinenten erwirtschafteten zuletzt 37,7 Milliarden Euro im Jahr für Continental.

Rund um die Stadt Kaluga, eine der wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen Russlands, haben sich zahlreiche internationale Unternehmen angesiedelt, darunter auch große Autobauer wie Volkswagen und Volvo. Die Investoren schätzen die gute Infrastruktur und den umtriebigen Gouverneur Anatoli Artamonow, jetzt Senator der Russischen Föderation, der zu den ersten gehörte, der ihnen nicht nur seine Visitenkarte in die Hand drückte, sondern darauf seine Mobiltelefonnummer notierte.


Auch Continental hat sich für Kaluga entschieden.

Es hat dort gleich drei Fabriken eröffnet.

Der Konzern kann auch in Russland mehr als nur Reifen 

Die Produktion von Motorenteilen erinnert eher an ein Labor. Mitarbeiter in weißen Kitteln bedienen feine Instrumente. Von Geruch nach Gummi keine Spur. Hier entstehen Motorsteuerungen, Kraftstoff-Fördereinheiten und Komponenten für Einspritzsysteme.

Im anderen Werk baut Continental Komponenten für Klima­anlagen und Servolenkungen. Der größte Teil der investierten 240 Millionen Euro floss jedoch in das erste eigene Reifenwerk in Russland. Aus Naturkautschuk, Chemikalien, Textil und Stahl fertigt Continental hier alle Bauteile eines modernen Reifens. Nur die Rohstoffe werden zugeliefert. Sogar die Spikes für besonders griffige Winterreifen produziert das Unternehmen vor Ort.

Im riesigen Lager mit bis zu einer halben Million Reifen beladen kräftige Männer die Lastwagen. Tausend Stück finden darin Platz, in neunzig Minuten sind die Lkw voll und bringen sie den Kunden, Automobilbauern, Reifenhändlern und damit den russischen Autofahrern.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends erhöhte sich in Russland die Zahl der Pkw von 150 pro tausend Einwohner auf fast das Doppelte. Immer mehr Menschen konnten sich teure Importautos leisten, zu denen sie ausländische Hightechreifen wählten wie die von Continental.

Die wirtschaftliche Krise der vergangenen Jahre ließ die Verkaufszahlen von Neuwagen aber einbrechen, sodass Russland sich bisher nicht wie erhofft zum größten Automobilmarkt Europas entwickelt hat. Doch auch alte Autos brauchen neue Reifen. Zudem wurde für Hersteller wie Continental zuletzt der Export immer wichtiger. 

In den Jahren der Rezession gelang es Continental die Einbrüche im Binnenmarkt durch Exporte kompensieren. Das Werk in Kaluga liefert schon in mehr als zwanzig Länder, darunter Kanada, USA und Japan.

Der schwache Rubel hat die Produktion in Russland verbilligt und damit für einen Wettbewerbsvorteil auf dem Weltmarkt gesorgt, den nicht zuletzt die Reifenproduzenten zu nutzen wissen. Entscheidend ist, dass die Qualität stimmt, wie bei Continental in Kaluga. Die Fehlerrate des russischen Reifenwerks ist so niedrig, dass es mittlerweile zu den besten des Mutterkonzerns gehört.

Der schwache Rubel machte die Produktion im Lande billiger und schuf einen Wettbewerbsvorteil auf dem Weltmarkt, den auch die Reifenhersteller nutzten. Die richtige Qualität spielt eine entscheidende Rolle. Das russische Reifenwerk von Continental in Kaluga hat eine so niedrige Fehlerquote, dass es heute zu den besten im Konzern gehört.

Die Statistik der anderen Werke der Gruppe in Kaluga bestätigt, dass auch dort das Weltniveau der Qualität erreicht wird. Ermöglicht wurde dies nicht nur durch standardisierte Produktionssysteme und Technologien aus Deutschland, sondern auch durch die menschlichen Ressourcen. Alle Mitarbeiter werden von führenden Continental-Spezialisten geschult und absolvieren Praktika im Ausland.

Anatoli Antipow ist seit 2012 bei Continental Kaluga und hat sich vom einfachen Manager zum Generaldirektor hochgearbeitet.

"Seit vier Jahren in Folge steht das Unternehmen an der Spitze der besten Fabriken des Unternehmens. Das bedeutet, dass unser Team Produkte von höchster Qualität herstellt, die alle internationalen Standards und die Anforderungen von Continental erfüllen. Wir zeichnen uns durch einen sorgsamen Umgang mit Energieressourcen, einen effizienten Einsatz von Rohstoffen und Materialien aus und arbeiten ständig an der Verbesserung und Automatisierung von Prozessen, um unseren Kunden das beste Produkt anbieten zu können", sagt Anatoli Antipow, Generaldirektor von Continental Kaluga LLC.

Fotos: Hans-Jürgen Burkard

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